Handlungs- vs. Lageorientierung

Die unterschiedlichen Phasen, die im Rubikon-Modell beschrieben sind erfordern unterschiedliche Strategien. Aber auch die Persönlichkeit des Coachees beeinflusst, welche Strategien genutzt werden.

  • Handlungsorientierte Menschen fokussieren auf den nächsten Schritt. Bei Misserfolg lassen sie sich nicht so schnell unterkriegen. Sie können schnell eigene Fehler identifizieren und wagen den nächsten Versuch.
  • Lageorientierte Menschen fokussieren auf die Lage, in der Sie sich gerade befinden. Die Gefühle und Gedanken die damit verbunden sind, können sie nur sehr schwer überwinden. Bei Misserfolg machen sie sich und anderen Menschen Vorwürfe, und brauchen lange, um den nächsten Versuch zu wagen.

Es ist keinesfalls so, dass handlungsorientierte Menschen ihre Ziele schneller und leichter erreichen. Eine extreme Handlungsorientierung kann auch dazu führen, dass zu wenig Zeit darauf verwendet wird, Misserfolg genau zu analysieren und vielleicht auch alternative Ziele in Betracht zu ziehen. Ideal wäre also, wenn ein handlungsorientierter und ein lageorientierter Mensch zusammenarbeiten würden, um das Beste der Lage- und Handlungsorientierung nutzen.

Sie können den Coachee beim Erreichen des Ziels unterstützten, wenn sie mit dem Coachee die Orientierung in Bezug auf ein Ziel überprüfen. Wenn sich der Coachee in einer bestimmten Situation als lageorientiert wahrnimmt, kann es helfen, dies klar zu machen, um dann einen Schritt Richtung Handlungsorientierung zu machen. Hier geht es um die Regulation der eigenen Emotionen. Insbesondere bei Misserfolg verhindert die Lageorientierung, dass der Coachee eine Strategie anpasst, und einen neuen Versuch startet. Dann gerät der Coachee in Stress und verliert den Überblick über die eigene Situation. Wenn sich der Coachee in einer bestimmten Situation als handlungsorientiert wahrnimmt, kann es hilfreich sein, die Situation zunächst in Ruhe zu analysieren (àSystemische Fragen) und dann erst konkret zu handeln.

Quellen und weiterführende Literatur

Kuhl, J. (1992). A Theory of Self-regulation: Action versus State Orientation, Self-discrimination, and Some Applications. Applied Psychology, 41(2), 97-129.

Heckhausen, H., & Gollwitzer, P. M. (1987). Thought contents and cognitive functioning in motivational versus volitional states of mind. Motivation and emotion, 11(2), 101-120.

Wer schreibt hier?

Johannes ist Professor für Wirtschaftspsychologie in Stuttgart und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er schreibt auf ichraum.de zu den Themen Coaching, Führung und Psychologie.

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