Methoden des Lösungsorientierten Coachings

Aus den zentralen Ideen des lösungsorientierten Coachings ergeben sich konkrete Methoden, die in Ihren Ausbildungsunterlagen jeweils im Detail beschrieben sind und hier nur kurz zusammenfasst werden.

Lösungsorientierte Fragetechniken

Die systemischen Fragen sind wesentlich für den Fokus auf die Lösung. Fragen nach bisherigen Lösungsmöglichkeiten oder Ausnahmen lenken den Fokus Ressourcen, die der Coach zur Verfügung hat.

  • Wann (wie lange, wie oft, wo, mit wem, in welchem Kontext … ) ist [das Problem] nicht aufgetreten?
  • Was haben Sie anders gemacht, als [das Problem] nicht aufgetreten ist.
  • Was können Sie davon übernehmen?

Eine Methode, für die Frage nach dem Unterschied sind Skalierungsfragen. Sie machen den Unterschied zwischen einem Ist-Zustand und einem Soll-Zustand klar, oder machen eine Verbesserung messbar. Werden dabei auch àsomatische Marker eingesetzt, sind unbewusste Gedächtnisinhalte (vgl. Bauchgehirn im àich.raum Coaching-Modell) zumindest teilweise zugänglich.

Auftragsklärung

Auch bei der Klärung des Auftrags wird die lösungsorientierte Haltung des Coachs deutlich. Statt ausführlich den Ist-Zustand zu erfragen, und die Ursachen von Verhalten und Erleben zu diagnostizieren, geht es in der ersten Phase des Coaching zunächst um das Anliegen, das der Coachee an den Coach hat, und den Auftrag, der sich daraus ergibt. Das schließt nicht aus, auch die Entstehung eines Problems, zugrunde liegende Muster und Ursachen im Detail zu analysieren. Dabei steht aber die Lösung stets im Mittelpunkt und der Fokus liegt auf dem Auftrag, den der Coachee an den Coach hat.

Aktives Zuhören

Beim lösungsorientierten Coaching steht der Coachee und seine Ziele, Werte und Beliefs im Mittelpunkt. Das erfordert genaues und wertschätzendes Zuhören und verlangt, Beobachten und Bewerten voneinander zu trennen. Die Einschätzung des Coachs kann für den Coachee ein wertvolles Feedback sein. Insbesondere wenn eigene Ziele, Werte und Beliefs aktiviert werden, muss der Coach die eigene Sicht der Dinge und die eigene Betroffenheit als solche wahrnehmen und reflektieren.

Die Unterscheidung zwischen Lösungsorientierung und Lösungsfokussierung ist für die praktische Arbeit als Coach nicht relevant. Eine lösungsorientierte Grundhaltung sollte im Coaching nicht dazu führen, immer auf eine genaue Diagnose, Exploration der Fragestellung und des Systems oder ein Hinterfragen der Gründe und Ursachen für ein Verhalten zu verzichten. Insbesondere wenn hinderliche Beliefs im Spiel sind oder Werte verletzt werden, kann eine zu pragmatische Orientierung an Lösungsmöglichkeiten eine nachhaltige Wirkung des Coachings verhindern.
Manche Coachs oder Trainer interpretieren das lösungsorientierte Coaching im Sinne einer grundsätzlich positiven und motivierenden Grundhaltung, sprechen stets von Herausforderungen (statt von Problemen) und laufen Gefahr, dadurch ernste und schwierige Themen „schönzureden“. Eine lösungsorientierte Grundhaltung sollte nicht dazu führen, dass Sie Ihre Möglichkeiten (und die des Coachee) überschätzen und ernsthafte Probleme nicht als solche wahrnehmen, insbesondere wenn Sie die klinische Relevanz eines Symptoms nicht ausschließen können (àpsychische Erkrankungen).

Prof. Dr. Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk ist promovierter Diplom-Psychologe und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen und hat eine Professur für Psychology and Management an der International School of Management in Frankfurt und Stuttgart. Johannes Moskaliuk hat das Konzept des ich.raum Coaching entwickelt, dass Theorien und Methoden aus unterschiedlichen Coaching-Traditionen verbindet.