Einstieg ins Coaching mit Bildern: Anleitung und Reflexionsfragen
Mit Bildern ins Coaching einsteigen: Zukunftsvorstellung, offene Fragen, Arbeitsvorlage und Rückblick. Eine praktische Anleitung für Einzelgespräche und Gruppen.
Foto: Vitaly Gariev / Unsplash
Ein Bild kann ein guter Ausgangspunkt sein, wenn ein Coaching-Anliegen noch schwer in Worte zu fassen ist. Eine Landschaft, ein Gegenstand oder eine Alltagsszene wird dabei zum Anlass, über Wünsche, Ressourcen und nächste Schritte zu sprechen. Entscheidend ist die Bedeutung, die die betrachtende Person dem Bild gibt.
Der Bildereinstieg ist eine praktische Gesprächsanregung. Er kann bei der Klärung des Coaching-Auftrags helfen, ersetzt sie aber nicht. Die Auswahl eines Bildes ist weder ein Persönlichkeitstest noch ein diagnostischer Befund.
Vorbereitung: ein überschaubarer Rahmen
Legen Sie unterschiedliche Bildkarten oder Postkarten aus: beispielsweise Wege, Landschaften, Gegenstände, Tiere und Alltagsszenen. Verwenden Sie Bilder, deren Nutzung für diesen Zweck erlaubt ist. Halten Sie Papier und Stifte bereit. Als praktischer Zeitrahmen eignen sich etwa 15 bis 25 Minuten; passen Sie ihn an die Situation an.
Vereinbaren Sie einen konkreten Zukunftszeitpunkt, zum Beispiel das Ende des Coaching-Prozesses oder drei Monate nach Beginn einer neuen Aufgabe. Die Person darf ein Bild ablehnen, mehrere auswählen oder ganz ohne Bild arbeiten. Persönliche Bedeutungen müssen nicht vor einer Gruppe offengelegt werden.
Anleitung: Das Ziel meiner Reise
Die folgende Einladung lässt sich auf ein Einzelcoaching, eine Weiterbildung oder einen beruflichen Übergang anpassen. Wählen Sie einen erreichbaren Zeitraum und eine Formulierung, die zum Anliegen passt.
„Stellen Sie sich vor, wir treffen uns am Ende dieses Coaching-Prozesses wieder. Sie haben Erfahrungen gesammelt und einen für Sie wichtigen Schritt gemacht. Schauen Sie mit etwas Abstand auf sich selbst: Was ist anders? Was haben Sie entwickelt? Wie möchten Sie sich dann erleben? Vielleicht gibt es etwas, für das Sie sich selbst anerkennen möchten.“
„Suchen Sie ein Bild aus, das zu diesem vorgestellten Zustand passt. Sie müssen Ihre Wahl zunächst nicht begründen. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, und achten Sie darauf, welches Motiv Sie anspricht.“
„Notieren Sie auf einem Blatt oder auf der Rückseite Ihrer eigenen Karte: Am vereinbarten Zeitpunkt bin ich … Und: Das bedeutet für mich …“
Es geht um eine gewünschte Richtung, nicht um die Verpflichtung, bis dahin ein bestimmter Mensch geworden zu sein. Auch ein kleines, konkretes Bild von Veränderung reicht.
Vom Bild zum Gespräch
Lassen Sie die Person zunächst selbst beschreiben, was sie sieht. Fragen Sie anschließend nach ihrer Bedeutung und dem Bezug zum Anliegen:
- Warum haben Sie dieses Bild ausgesucht?
- Was bedeutet das Bild für Sie?
- Welches Detail passt besonders zu Ihrer gewünschten Entwicklung?
- Welche Fähigkeit oder Unterstützung ist schon vorhanden?
- Woran würden Sie im Alltag merken, dass Sie einen Schritt in diese Richtung gemacht haben?
- Wobei soll das Coaching Sie konkret unterstützen?
Deuten Sie das Motiv nicht für die Person. Ein Berg kann für Freiheit, Anstrengung, Sicherheit oder etwas ganz anderes stehen. Fragen Sie etwa: „Was bedeutet dieser Berg für Sie?“ statt: „Sie wollen also höher hinaus?“
In einer Gruppe können sich Teilnehmende freiwillig zu zweit über ihr Bild und ihre Notizen austauschen. Die zuhörende Person fragt nach und fasst zusammen. Sie bewertet und interpretiert die Auswahl nicht.
Fiktives Beispiel: ein Steg als Gesprächsanlass
Eine neue Führungskraft wählt ein Foto eines Stegs. Auf die offene Frage nach dessen Bedeutung antwortet sie: „Ich möchte sicher stehen und gleichzeitig den Überblick behalten.“ Daraus entsteht ein konkreteres Anliegen: In Besprechungen weniger sofort selbst lösen und stattdessen zuerst klären, welche Entscheidung das Team braucht.
Als ersten Versuch vereinbart sie für das nächste Meeting eine Frage: „Welche Entscheidung benötigen Sie heute von mir?“ Beim nächsten Coaching berichtet sie, was dadurch leichter oder schwieriger geworden ist. Das Bild liefert dabei keine fertige Lösung, sondern einen persönlichen Bezugspunkt für das Gespräch.
Später erneut hinschauen
Bewahren Sie Bild und Notizen so auf, wie es die Person möchte. Zum Abschluss oder bei einem vereinbarten Zwischentermin betrachten Sie beides erneut:
- Ist eingetroffen, was ich mir vorgestellt habe?
- Was ist anders, überraschend oder unerwartet?
- Was fehlt noch?
- Was ist mir inzwischen wichtiger geworden?
- Welchen nächsten Schritt möchte ich jetzt gehen?
Eine veränderte Vorstellung ist kein Scheitern. Wünsche und Bedingungen können sich im Verlauf verändern. Nutzen Sie den Vergleich, um Fortschritte wahrzunehmen und Ziele bei Bedarf neu zu vereinbaren.
Arbeitsvorlage zum direkten Nutzen
- Mein Anliegen heute: …
- Mein Zukunftszeitpunkt: …
- Mein ausgewähltes Bild und das wichtige Detail: …
- Dann bin ich / handle ich: …
- Das bedeutet für mich: …
- Diese Ressource kann ich bereits nutzen: …
- Diesen kleinen Schritt probiere ich bis … aus: …
- Beim Rückblick achte ich auf: …
Häufige Fragen zum Bildereinstieg
Was ist mit „Herzgehirn“ und „Kopfgehirn“ gemeint?
Solche Ausdrücke werden gelegentlich als Metaphern für gefühlsbezogenes und bewusstes Nachdenken verwendet. Sie sind hier keine Erklärung unterschiedlicher Gehirne. Für diese Übung genügt die Unterscheidung: zunächst eigene Eindrücke wahrnehmen, anschließend ihre Bedeutung in Worte fassen. Ein bestimmter neurologischer Wirkmechanismus wird damit nicht nachgewiesen.
Was tun, wenn kein Bild passt?
Arbeiten Sie mit einem Wort, einer kleinen Zeichnung oder einem Gegenstand weiter. Die Person kann auch direkt beschreiben, wie ihr gewünschter Alltag aussehen soll. Die Bildauswahl ist freiwillig.
Wie unterscheidet sich der Einstieg von Wertebildern?
Hier steht ein gewünschter zukünftiger Zustand im Mittelpunkt. Bei Wertebildern untersuchen Sie gezielter, welche persönlichen Werte und Orientierungen in einem Motiv sichtbar werden. Beide Zugänge lassen sich verbinden, wenn dies zum Auftrag passt.
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