Vor dem Einschlafen noch E-Mails lesen führt zu schlechtem Schlaf und demotiviert.

ResearchBlogging.orgChecken Sie vor dem Schlafengehen noch kurz Ihre E-Mails? Zumindest wenn es um berufliche E-Mail geht, kann das dazu führen, dass Sie schlechter schlafen und am nächsten Tag weniger Lust haben, zu arbeiten. Das haben Wissenschaftler um Christopher Barnes von der Foster School of Business in Washington untersucht. Ihr Paper wird in der Mai Ausgabe der Zeitschrift Organizational Behavior and Human Decision Processes veröffentlicht.

Befragt wurden in zwei Studien insgesamt knapp 250 Personen. Ein Teil davon waren Führungskräfte zwischen 31 und 50 Jahren, die etwa 48 Stunden pro Woche arbeiten, der andere Teil waren Angestellte ohne Führungsverantwortung, die etwas 42 Stunden pro Woche arbeiteten. Die Teilnehmenden mussten an 10 Tagen jeweils zwei Mal am Tag einen Fragebogen ausfüllen. Morgens haben sie angegeben, ob sie gut geschlafen hatten und ob sie vor dem Einschlafen beruflich noch das Smartphone genutzt haben. Nachmittag um 16:00 mussten sie den zweiten Fragebogen ausfüllen und angeben, wie motiviert und engagiert sie gerade arbeiten. Das Ergebnis: Wer vor dem Einschlafen das Smartphone nutzt, z.B. um berufliche E-Mails zu checken, schläft schlechter, fühlt sich am nächsten Tag erschöpfter und ist vor allem weniger motiviert und engagiert.

Der kurzfristig positive Effekt auf die Produktivität (eine E-Mail wird umgehend beantwortet, selbst mitten in der Nacht), hat also möglicherweise langfristig negative Auswirkungen auf die Produktivität. Nach Ansicht der Autoren kann die berufliche Smartphone-Nutzung vor dem Einschlafen und das damit verbundene schlechtere Schlafen zu weniger Motivation und Engagement am nächsten Arbeitstag führen. Es macht also Sinn, das eigene Verhalten zu überdenken: Wer am nächsten Tag fit sein will und produktiv arbeiten, sollte darauf verzichten, bis spät in die Nacht hinein, E-Mail zu beantworten.

Wie immer ist aber bei Ergebnissen dieser Art Vorsicht geboten: Es handelt sich hier um einen korrelativen Zusammenhang, der zunächst noch keine Aussagen über Ursache und Wirkung macht. Es liegt nahe, die nächtliche Smartphone-Nutzung als Ursache für schlechteren Schlaf und weniger Motivation am nächsten Tag zu sehen. Es könnte auch umgekehrt sein: Mehr Stress am Arbeitsplatz und weniger Motivation führt zu schlechterem Einschlafen. Das wiederum fördert, noch mal E-Mail zu checken. Oder es handelt sich um ein kompensatorisches Verhalten: Wer das Gefühl hat, am Tag wenig geleistet zu haben, schaut wenigstens spät abends nochmal auf das Smartphone. Auf jeden Fall gilt: Überprüfen Sie Ihre Gewohnheiten im Bezug auf die berufliche Nutzung des Smartphones und entlasten Sie sich und Ihre MitarbeiterInnen von dem Druck, jede E-Mail umgehend beantworten zu müssen. Das kann die Arbeitszufriedenheit und die Motivation steigern, und damit letztlich die Leistungsfähigkeit erhöhen.

Lanaj, K., Johnson, R., & Barnes, C. (2014). Beginning the workday yet already depleted? Consequences of late-night smartphone use and sleep Organizational Behavior and Human Decision Processes, 124 (1), 11-23 DOI: 10.1016/j.obhdp.2014.01.001

Prof. Dr. Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk ist promovierter Diplom-Psychologe und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen und hat eine Professur für Psychology and Management an der International School of Management in Frankfurt und Stuttgart. Johannes Moskaliuk hat das Konzept des ich.raum Coaching entwickelt, dass Theorien und Methoden aus unterschiedlichen Coaching-Traditionen verbindet.

3 Gedanken zu „Vor dem Einschlafen noch E-Mails lesen führt zu schlechtem Schlaf und demotiviert.

  • Ich habe während der Fastenzeit („7 Wochen ohne“) ausprobiert, nach einer bestimmten Uhrzeit (2h vor dem Schlafen gehen) den PC ganz auszumachen. Dazu zählte dann auch, mir zu versagen, noch mal eben kurz vor dem Schlafen gehen auf das Smartphone zu schauen, wie es in meiner Mailbox aussieht.

    Ich kann aus dieser Zeit zumindest bestätigen, dass ich besser geschlafen habe. Da ich dadurch ausgeschlafener war, gehe ich davon aus, dass ich entsprechend produktiver in den neuen Arbeitstag gegangen bin, auch ohne dazu einen Fragebogen auszfüllen.

    Für mich war in diesem Zusammenhang der wesentliche Grund für dieses „Experiment“, dass ich gern ausprobieren wollte, wie es sich auswirkt, als Freiberuflerin einen bestimmten Zeitpunkt als Feierabendzeitpunkt festzusetzen. Mir ging es damit so gut, dass ich das jetzt auch weiterhin beibehalten will. Natürlich gibt es immer mal wieder Ausnahmen von dieser (neuen) Regel, aber die gab es auch schon während des Austestens. Keine Regel ohne Ausnahme. Oder jedenfalls fast keine.

    Antwort
  • Ich habe über mehrere Wochen einen Selbstversuch gemacht und mit meinem Schlaf herumexperimentiert.
    Dabei habe ich festgestellt, dass ich durch diese fünf Punkte wirklich viel besser schlafe:
    1. Vor dem Schlaf lesen
    2. Kein Fernsehen, kein Handy und kein PC in der letzten Stunde vor dem Schlaf
    3. Tagsüber Sport
    4. Immer etwa zur gleichen Zeit ins Bett gehen
    5. Positive Gedanken vor dem einschlafen machen

    Beste Grüße

    Jan

    Antwort

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