Werte im Quadrat | Wie können Sie Ihre Werte weiterentwickeln?

Werte und Sinn hängen eng zusammen. Die zentrale Idee ist: Werte beeinflussen unser Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Verhalten. Wer die eigenen Werte entdeckt, versteht sich selbst besser. Werte sind Bewertungen der Wirklichkeit und sie filtern unsere Wahrnehmung. Was mir wirklich wichtig ist, das kann sich über die Zeit ändern. Werte sind keine stabilen und alle Zeit überdauernden Eigenschaften unserer Persönlichkeit. Insbesondere wenn sich die äußeren Bedingungen verändern, verändern sich oft auch die eigenen Werte, oder die Hierarchie der Werte.

Ich bin überzeugt, dass die Arbeit an und mit den eigenen Werten eine der wirkungsvollsten Methoden ist, eigenes Verhalten zu verändern. Wenn ich verstehe, mit welcher Brille ich die Welt betrachte, dann habe ich auch die Möglichkeit, mir eine andere Brille zu suchen, wenn das für mich sinnvoll ist. Deshalb geht es in diesem Kapitel zunächst darum, wie unterschiedliche Werte zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen.

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Ein Beispiel: Wie kommen Werte in Balance?

Jeder Wert hat immer einen Gegenwert. Wie ein Gewicht auf einer Waage beeinflussen sich diese beiden Werte gegenseitig. Das zeigt das folgende Beispiel.

Robert ist es wichtig, das alles genau geplant und gut vorbereitet ist. Er möchte das Leben im Griff haben und sicherstellen, dass es ihm und seiner Familie gut geht. Der Wert Sicherheit steht für ihn an oberster Stelle. Clara ist es wichtig, mobil und unabhängig zu sein. Am liebsten würde sie in einem Wohnwagen wohnen, um mit ihrer Familie durch die Welt zu reisen. Der Wert Freiheit steht für sie an oberster Stelle.

Stellen sie sich vor, die beiden fahren gemeinsam in den Urlaub: Wenn sie es schaffen, die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit zu halten, wird es der beste Urlaub ihres Lebens. Wenn nicht, dann sind Konflikte vorprogrammiert. 

Die beiden Werte Sicherheit und Freiheit hängen voneinander ab. Sie liegen auf den beiden Seiten einer Waage. Mehr Freiheit führt zu weniger Sicherheit, weniger Freiheit führt zu mehr Sicherheit. Tatsächlich ist es oft so, dass in Partnerschaften und Familien erst Wert und Gegenwert in Balance gebracht werden müssen. Dann entfaltet sich das Potential, das in der Balance von Wert und Gegenwert liegt.  

Wenn die Balance zwischen Wert und Gegenwert nicht stimmt, kann es zur Übertreibung eines Wertes kommen. Ein eigentlich positiver Wert wird übersteigert, und verkehrt sich ins Gegenteil. Aus Sicherheit kann Ängstlichkeit, Mutlosigkeit oder Erstarrung werden, wenn der Wert übertrieben wird. Aus Freiheit kann Unverantwortlichkeit, Maßlosigkeit oder Sprunghaftigkeit werden, wenn der Wert übertrieben wird. Das perfekte Maß für einen Wert hängt dabei vom Blickwinkel des Beurteilenden ab. Und: Die eigenen Werte bestimmen auch, ab wann Sie einen Wert als übertrieben bewerten. Daraus ergibt sich ein Quadrat, in das sich vier Werte eintragen lassen: Wert und Gegenwert und die jeweiligen Übertreibungen. Damit erkennen Sie auf einen Blick, welche Werte sich gegenseitig beeinflussen, um in Balance zu kommen.  

Mein Werte-Quadrat

Das Werte-Quadrat kann dabei helfen, Entwicklungspotential zu erkennen. Bleiben wir am Beispiel von oben. Robert (für ihn ist der Wert Sicherheit wichtig) merkt, dass seine Ängstlichkeit ihn oft hemmt. Gerade im Urlaub mit Clara kann er deshalb nicht entspannen. Überlegen Sie: Welche Entwicklungsmöglichkeiten bieten sich für Robert an? 

Zeichnen Sie einen Pfeil in das Quadrat. 

Was haben Sie eingezeichnet? 

  • Einen Pfeil von Ängstlichkeit in Richtung Verantwortungslosigkeit? Das bedeutet, Robert versucht sich von einer Übertreibung hin zur nächsten zu entwickeln.
  • Einen Pfeil von Ängstlichkeit in Richtung Sicherheit? Eigentlich nicht nötig, denn vom Wert Sicherheit hat Robert ohnehin schon genug. 
  • Einen Pfeil von Ängstlichkeit Richtung Freiheit? Darin liegt das meiste Entwicklungspotential.

Und Clara? Für sie ist der Wert Freiheit wichtig. Vielleicht heißt ihr Gegenwert Verantwortung. Oder Geborgenheit? Oder Rücksichtnahme? Die Werte-Quadrate sind nicht universell gültig, jeder Mensch hat seine eigenen Werte-Quadrate.

Das Entwicklungsquadrat

Werte sind hilfreich, um an sich selbst positive und negative Eigenschaften zu verstehen. Mit dem Werte-Quadrat haben Sie ein Werkzeug in der Hand, um sich selbst zu überlisten, wenn es darum geht, eigenes Verhalten zu verändern. Probieren Sie es aus und erstellen Sie für einen Ihrer Werte oder ein unerwünschtes Verhalten, das sie verändern möchten, ein Werte-Quadrat. 

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Prof. Dr. Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk ist promovierter Diplom-Psychologe und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen und hat eine Professur für Psychology and Management an der International School of Management in Frankfurt und Stuttgart. Johannes Moskaliuk hat das Konzept des ich.raum Coaching entwickelt, dass Theorien und Methoden aus unterschiedlichen Coaching-Traditionen verbindet.