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Werte

Wertehierarchie erstellen: Anleitung und Paarvergleich

Eigene Werte ordnen: vollständige Vorlage mit 45 Paarvergleichen, Rechenbeispiel und Reflexionsfragen für Entscheidungen.

Fünf Holzklötze sind wie aufsteigende Stufen übereinandergeschichtet.

Foto: Volodymyr Hryshchenko / Unsplash · Unsplash License

Eine Wertehierarchie ordnet persönliche Werte nach ihrer Bedeutung. Das kann bei Entscheidungen helfen: Was soll in einer bestimmten Lebensphase Vorrang haben? Wo konkurrieren wichtige Anliegen? Die folgende Übung nutzt Paarvergleiche, um Ihre Antworten genauer zu erkunden.

Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme Ihrer Einschätzungen, kein objektiver Test. Ein Wert mit wenigen Punkten ist nicht wertlos. Er wurde lediglich innerhalb Ihrer Auswahl seltener bevorzugt.

Wann ist eine Wertehierarchie hilfreich?

Vielleicht wünschen Sie sich gleichzeitig beruflichen Erfolg, Zeit für die Familie und mehr Freiheit. Diese Werte müssen sich nicht grundsätzlich widersprechen. Unter begrenzter Zeit oder bestimmten Arbeitsbedingungen können aber Entscheidungen nötig werden. Die Übung hilft, solche Spannungen zu benennen, statt einen Wert vorschnell als Problem zu behandeln.

Wählen Sie vor Beginn einen Bezugsrahmen: Ihr Leben insgesamt, die aktuelle berufliche Situation oder eine konkrete Entscheidung. Notieren Sie ihn zusammen mit dem Datum. Eine Rangfolge für den nächsten Karriereschritt kann anders aussehen als eine für Ihre Freizeitgestaltung.

Schritt 1: zehn wichtige Werte auswählen

Nutzen Sie die Werteliste mit Auswahlübung und wählen Sie zehn Begriffe. Schreiben Sie zu jedem einen Satz, der Ihre persönliche Bedeutung erklärt. Wenn zwei Begriffe für Sie dasselbe meinen, können Sie sie zusammenfassen. Vergeben Sie anschließend die Buchstaben A bis J.

Buchstabe Beispielwert Ihre eigene Bedeutung
A Freiheit Was möchte ich selbst entscheiden können?
B Beziehung Welche Form von Verbundenheit ist mir wichtig?
C Erfolg Woran würde ich ihn für mich erkennen?
D Menschlichkeit Wie möchte ich mit anderen umgehen?
E Treue Welchen Bindungen möchte ich gerecht werden?
F Harmonie Welche Art des Miteinanders meine ich?
G Entwicklung Was möchte ich lernen oder verändern?
H Offenheit Wofür möchte ich aufgeschlossen bleiben?
I Abenteuer Welche neuen Erfahrungen suche ich?
J Macht Welchen Einfluss möchte ich ausüben und wofür?

Dies ist eine Beispielauswahl. Ersetzen Sie die Begriffe durch Ihre eigenen. Für einen kurzen Einstieg können Sie auch mit vier oder fünf Werten beginnen.

Schritt 2: jeden Wert mit jedem anderen vergleichen

Vergleichen Sie zunächst A mit B: Welcher Wert soll in Ihrem gewählten Bezugsrahmen eher Vorrang haben? Notieren Sie den Buchstaben. Dann vergleichen Sie A mit C und so weiter. Anschließend vergleichen Sie B mit C, B mit D und setzen die Reihe fort. Jedes Paar wird genau einmal betrachtet.

Die folgende Vorlage enthält alle 45 Paarvergleiche für zehn Werte. Sie können die Zeilen direkt in Ihre Notizen übernehmen; ein Download ist nicht erforderlich.

Ausgangswert Vergleiche – jeweils bevorzugten Buchstaben notieren
A A/B · A/C · A/D · A/E · A/F · A/G · A/H · A/I · A/J
B B/C · B/D · B/E · B/F · B/G · B/H · B/I · B/J
C C/D · C/E · C/F · C/G · C/H · C/I · C/J
D D/E · D/F · D/G · D/H · D/I · D/J
E E/F · E/G · E/H · E/I · E/J
F F/G · F/H · F/I · F/J
G G/H · G/I · G/J
H H/I · H/J
I I/J

Fällt ein Vergleich schwer, übersetzen Sie beide Werte in eine konkrete Situation. „Ruhe“ könnte einen ungestörten Abend bedeuten, „Erfolg“ die konzentrierte Arbeit an einem wichtigen Projekt. Fragen Sie, was in Ihrem gewählten Kontext Vorrang hätte. Beachten Sie: Sie vergleichen damit auch bestimmte Ausgestaltungen der Werte. Ein anderes Beispiel kann zu einer anderen Antwort führen.

Erzwingen Sie keine Entscheidung. Sie können einen Gleichstand markieren und beiden Werten einen halben Punkt geben. Bleibt ein Paar unklar, markieren Sie es als offen. Klären Sie es vor einer abschließenden Rangfolge oder kennzeichnen Sie das Ergebnis ausdrücklich als vorläufig.

Schritt 3: Punkte zählen und Rangfolge bilden

Jede Bevorzugung zählt einen Punkt. Bei zehn Werten kann ein Wert höchstens neun Punkte erhalten. Wenn alle 45 Vergleiche entschieden sind, müssen die Punkte insgesamt 45 ergeben – auch wenn Sie Gleichstände mit je einem halben Punkt berücksichtigen. Diese Summe ist nur eine Rechenkontrolle, kein Qualitätsmerkmal Ihrer Antworten.

Sortieren Sie die Werte nach der Punktzahl. Bei gleichem Ergebnis dürfen sie denselben Rang erhalten. Notieren Sie außerdem, bei welchen Vergleichen Sie lange überlegt haben. Häufig steckt dort mehr Gesprächsstoff als in der fertigen Reihenfolge.

Fiktives Rechenbeispiel mit vier Werten

Eine Person vergleicht für ihre aktuelle Arbeitsgestaltung A = Freiheit, B = Sicherheit, C = Lernen und D = Verbundenheit. Sie entscheidet: A/B → B, A/C → C, A/D → A, B/C → B, B/D → B, C/D → C.

Wert Punkte
Sicherheit 3
Lernen 2
Freiheit 1
Verbundenheit 0

Die sechs Vergleiche ergeben sechs Punkte. Die Person könnte daraus ableiten, Weiterbildung innerhalb eines verlässlichen Beschäftigungsrahmens zu suchen. Das Ergebnis besagt nicht, dass Beziehungen unwichtig wären oder jede berufliche Unsicherheit vermieden werden müsste.

Schritt 4: das Ergebnis gemeinsam reflektieren

  • Welcher Wert steht vorn, und warum passt oder überrascht Sie das?
  • Welche wichtigen Werte können Sie bereits verwirklichen? Wo sehen Sie Entwicklungsmöglichkeiten?
  • Gibt es einen Wert, der aus Ihrer Sicht aus der Reihe fällt?
  • Welche der vorderen Werte geraten unter bestimmten Bedingungen in Spannung?
  • Gefährdet eine bestimmte Art, einen Wert zu leben, andere wichtige Anliegen?
  • Sind die Werte in allen Lebensbereichen gleich wichtig? Wo gelten andere Prioritäten?
  • Welche Werte stehen hinten? Sind sie selbstverständlich erfüllt, gerade weniger dringend oder tatsächlich weniger wichtig?
  • Gibt es einen übergeordneten Begriff, der mehrere Werte zusammenfasst?
  • Fehlt ein Wert, den Sie ergänzen sollten?

Auch widersprüchliche Paarentscheidungen sind möglich: A wird vor B, B vor C und C vor A bevorzugt. Das ist ein Anlass, den Kontext und die Bedeutungen zu prüfen. Die Punktzahl löst solche Spannungen nicht automatisch auf.

Schritt 5: einen nächsten Schritt vereinbaren

Wählen Sie eine konkrete Entscheidung oder Alltagssituation aus. Formulieren Sie: „Damit mein Wert … mehr Raum bekommt, möchte ich bis … Folgendes klären oder erproben: …“ Prüfen Sie zugleich, wie ein zweiter wichtiger Wert berücksichtigt werden kann.

Bei beruflichem Erfolg und Familie könnte das eine Absprache über erreichbare Zeiten sein. Bei Freiheit und Geborgenheit eine Entscheidung, welche Bereiche Sie flexibel gestalten möchten und wo verlässliche Absprachen helfen. Nutzen Sie bei Bedarf den Beitrag zu Wertekonflikten und die Transferplanung.

Übung zu zweit

Eine Person bringt ihre Werteauswahl mit, die andere begleitet die Vergleiche und notiert Begründungen. Planen Sie für zehn Werte etwa 30 bis 45 Minuten und bei Bedarf eine Pause ein. Die begleitende Person entscheidet nicht mit, sondern fragt nach der Bedeutung der Begriffe und hält den Bezugsrahmen im Blick.

Schließen Sie mit drei Sätzen ab: „Das überrascht mich …“, „Diese Spannung möchte ich genauer verstehen …“ und „Mein nächster Schritt ist …“. Prüfen Sie die Rangfolge später erneut, wenn sich Ihre Lebenssituation verändert. Sie soll Orientierung ermöglichen, nicht Ihre Persönlichkeit festschreiben.

Weiterdenken.

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