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Wertebilder im Coaching: Eigene Werte mit Fotos erkunden

Mit Wertebildern eigene Werte erkunden: vollständige Anleitung, sechs Assoziationen, persönliche Sätze, ein Beispiel und Reflexionsfragen für den Alltag.

Feine Wellen bilden blaugrüne und dunkle Muster auf einer Wasseroberfläche.

Foto: Russ Lee / Unsplash.

Wertebilder sind eine kreative Gesprächshilfe: Sie betrachten ein Foto, sammeln unterschiedliche Assoziationen und prüfen anschließend, was diese für Ihr Leben bedeuten. Aus persönlichen Sätzen entstehen mögliche Wertbegriffe. Entscheidend ist Ihre eigene Bedeutung – das Bild verrät weder Ihre Persönlichkeit noch eine verborgene Wahrheit über Sie.

Die folgende Anleitung lässt sich zu zweit im Coaching oder allein zur Reflexion nutzen. Sie enthält alle Arbeitsschritte, ein Beispiel und eine ausfüllbare Struktur für Ihre Notizen. Sie ist eine Praxishilfe, kein psychologischer Test; für diese konkrete Übungsfolge wird kein Wirksamkeitsnachweis behauptet.

Vorbereitung: Bilder, Zeit und ein überschaubares Anliegen

Legen Sie mehrere Fotografien mit unterschiedlichen Farben, Formen und Strukturen bereit. Abstrakte Muster, Naturdetails und Makroaufnahmen eignen sich als offene Ausgangspunkte. Verwenden Sie eigene oder passend lizenzierte Bilder. Eine bestimmte Bildsammlung ist nicht erforderlich. Halten Sie Papier und Stift bereit; als unverbindliche Planung können Sie etwa 30 Minuten vorsehen.

Wählen Sie einen Lebensbereich, beispielsweise Zusammenarbeit, Freizeit oder Familie. Vereinbaren Sie im Coaching: Die betrachtende Person entscheidet über die Bedeutung ihrer Bilder und darf jeden Vorschlag zurückweisen. Die Übung ist freiwillig; sie kann die Augen offen halten, eine Frage überspringen oder jederzeit aufhören. Eine Trance ist nicht erforderlich.

1. Sich auf das besinnen, was wichtig ist

Beginnen Sie mit einer kurzen, freiwilligen Phase der Konzentration. Dabei geht es noch nicht um eine fertige Liste von Werten. Die folgenden Sätze können Sie langsam vorlesen und dazwischen Pausen lassen:

Setzen Sie sich so hin, wie es für Sie angenehm ist. Sie können die Augen offen lassen und einen ruhigen Punkt ansehen oder sie schließen, wenn Sie möchten. Bemerken Sie, wie Sie gerade sitzen und atmen. Sie müssen nichts verändern und keinen bestimmten Zustand erreichen.

Denken Sie an eine überschaubare Situation, in der etwas für Sie stimmig war: ein Gespräch, eine gemeinsame Aufgabe oder ein Moment für sich. Was war Ihnen daran wichtig? Bleiben Sie kurz bei dem ersten passenden Moment. Wenn nichts auftaucht, ist das ebenfalls in Ordnung.

Lassen Sie diese Erinnerung wieder los. Vielleicht fällt Ihnen eine weitere Situation ein – aus Beruf, Beziehungen, Familie oder Freizeit. Was hat diesen Moment für Sie wertvoll gemacht? Sie brauchen noch keinen Begriff dafür zu finden und sich nicht alles zu merken.

Kehren Sie in Ihrem Tempo zur Umgebung zurück. Schauen Sie sich um. Wenn Sie möchten, notieren Sie ein Stichwort. Entscheiden Sie dann, ob Sie mit einem Bild weiterarbeiten möchten.

Wer nicht mit Erinnerungen oder inneren Bildern arbeiten möchte, kann stattdessen direkt aufschreiben: „In diesem Lebensbereich ist mir wichtig, dass …“ Bleiben Sie bei gut besprechbaren Alltagssituationen. Bei Unbehagen können Sie die Übung unterbrechen und sich wieder der Umgebung zuwenden.

2. Ein Bild spontan auswählen

Betrachten Sie die ausgelegten Fotos. Die Einladung lautet: „Welches Bild spricht Sie gerade an? Welches gefällt Ihnen oder finden Sie interessant?“ Wählen Sie zunächst nach Interesse. Suchen Sie noch nicht gezielt nach einem Foto, das einen bereits bekannten Wert abbildet.

Sie müssen nicht erkennen, was ursprünglich fotografiert wurde. Es gibt keine richtige Auswahl. Wenn mehrere Bilder passen, beginnen Sie mit einem; wenn keines passt, nehmen Sie ein anderes Foto hinzu. Das spontane Auswählen ist eine Möglichkeit, neue Gedanken anzuregen, kein Beleg für unbewusste Eigenschaften.

3. Mindestens sechs Assoziationen sammeln

Sehen Sie sich Farben, Formen, Linien und Strukturen genauer an. Woran erinnern sie Sie? Vielleicht entdecken Sie eine Landschaft, ein Tier, einen Menschen, ein Gebäude oder eine Bewegung. Wie beim Erkennen von Gestalten in Wolken dürfen Sie sich vom tatsächlichen Fotomotiv lösen. Drehen Sie das Bild und betrachten Sie es aus verschiedenen Richtungen.

Sammeln Sie möglichst sechs unterschiedliche Ideen. Die Zahl dient als Anstoß, über die erste naheliegende Deutung hinauszugehen; sie ist keine Leistungsanforderung. Wenn Sie feststecken, fragen Sie: „Was könnte diese Form noch sein?“ oder „Wie verändert sich meine Idee, wenn ich das Bild drehe?“

Die begleitende Person notiert Ihre Wörter zunächst ohne Interpretation. Eine ungewöhnliche oder widersprüchliche Idee muss nicht begründet werden. Auch „Damit kann ich nichts anfangen“ ist eine zulässige Antwort.

4. Aus Assoziationen persönliche Sätze machen

Gehen Sie Ihre Ideen einzeln durch. Fragen Sie sich:

  • Was hat diese Idee mit mir zu tun?
  • Welche Bedeutung könnte sie für mein eigenes Leben haben?
  • Könnte sie für etwas stehen, das mir wichtig ist?
  • Welche konkrete Alltagssituation fällt mir dazu ein?

Formulieren Sie pro passender Idee einen kurzen Satz, etwa „Mir ist wichtig, mich auf andere verlassen zu können“. Es muss nicht aus jeder Assoziation ein persönlicher Satz entstehen. Eine Begleitperson darf vorsichtig nachfragen oder mit Ihrer Zustimmung eine Idee anbieten, sollte Ihnen aber keine Deutung zuschreiben.

Ein Beispiel: Jemand erkennt eine ältere Person mit einem Stock. Daraus können ganz unterschiedliche Sätze entstehen: „Ich möchte andere unterstützen“, „Ich möchte selbstständig bleiben“ oder „Meine Familie gibt mir Halt“. Keine dieser Bedeutungen lässt sich aus dem Motiv allein ableiten. Welche passt, entscheidet die Person selbst.

5. Passende Wertbegriffe finden

Verdichten Sie jeden persönlichen Satz zu einem oder zwei Begriffen. Aus „Ich möchte andere unterstützen“ könnten Fürsorge oder Solidarität werden; aus „Ich möchte selbstständig bleiben“ etwa Selbstbestimmung. Prüfen Sie den Begriff am ursprünglichen Satz: Trifft er wirklich, was Sie meinen?

Behalten Sie Satz und Beispiel neben dem Begriff stehen. Wörter wie Freiheit, Gesundheit oder Familie können für verschiedene Menschen Unterschiedliches bedeuten. Eine Werteliste kann beim Formulieren helfen, sollte Ihre eigenen Bedeutungen aber nicht ersetzen.

Ein fiktives Beispiel: Aus einer Wasseroberfläche werden sechs Ideen

Eine Person sieht in einem Foto mit Wasserlinien nacheinander Wege, ein Netz, eine Decke, Bewegung, Grenzen und Licht. Sie wählt drei dieser Ideen zur Vertiefung:

  • Wege: „Ich möchte zwischen Möglichkeiten wählen können.“ Möglicher Wert: Selbstbestimmung. Beispiel: Bei einer Aufgabe auch über den Lösungsweg entscheiden.
  • Netz: „Ich möchte Menschen haben, auf die ich zählen kann.“ Möglicher Wert: Verlässlichkeit. Beispiel: Eine klare Absprache über gegenseitige Unterstützung.
  • Bewegung: „Ich möchte Neues ausprobieren und dazulernen.“ Möglicher Wert: Entwicklung. Beispiel: Jeden Monat eine kleine Lernaufgabe wählen.

Eine andere Person könnte dasselbe Foto mit Ruhe oder Geborgenheit verbinden. Das Beispiel ist keine Musterlösung und keine Interpretation des Beitragsbildes für Sie.

6. Einordnen und einen nächsten Schritt wählen

Betrachten Sie Ihre Sammlung und beantworten Sie die Abschlussfragen:

  • Welche Werte sind in Ihrem gewählten Lebensbereich gerade besonders wichtig?
  • Können Sie eine vorläufige Reihenfolge bilden? Welcher Wert steht derzeit an erster Stelle?
  • Fehlt etwas, das Ihnen wichtig ist, obwohl es im Bild nicht vorkam?
  • Welche Begriffe überraschen Sie? Welche passen bei genauerem Hinsehen doch nicht?
  • Wo unterstützen sich Ihre Werte, und wo geraten sie im Alltag in Spannung?

Die Sammlung ist eine Momentaufnahme. Wenn Sie systematischer priorisieren möchten, können Sie mit der Wertehierarchie weiterarbeiten. Für Spannungen zwischen eigenen Werten und Erwartungen anderer hilft die Reflexion zu Wertekonflikten.

Wählen Sie abschließend einen Wert und eine kleine, beobachtbare Handlung für die nächste Woche. Zum Beispiel: „Für Verlässlichkeit kläre ich am Mittwoch mit meiner Kollegin, wann wir Rückmeldung zu gemeinsamen Aufgaben geben.“ Prüfen Sie dabei Zeit, Zuständigkeit und die Interessen der Beteiligten. Ein Wert verpflichtet andere Menschen nicht automatisch zu einer bestimmten Handlung.

Arbeitshilfe: Meine Wertebilder-Notizen

Übertragen Sie diese Struktur auf ein Blatt und füllen Sie sie für jede ausgewählte Assoziation aus:

  1. Lebensbereich: Wofür möchte ich meine Werte klären?
  2. Bild und Assoziation: Was sehe oder erkenne ich darin?
  3. Persönlicher Satz: Was bedeutet das für mich?
  4. Wertbegriff: Welches Wort passt zu diesem Satz?
  5. Alltagsbeispiel: Woran merke ich, dass dieser Wert gelebt wird?
  6. Nächster Schritt: Was möchte ich wann konkret ausprobieren?
  7. Rückblick: Was war hilfreich, und was möchte ich korrigieren?

Notieren Sie zusätzlich, welche wichtigen Werte in der Bildarbeit nicht auftauchten. So wird aus einer spontanen Auswahl keine vermeintlich vollständige Beschreibung Ihrer Person.

Häufige Fragen

Muss ich kreativ sein oder besonders gut visualisieren können?

Nein. Sie können beim sichtbaren Foto bleiben und einfache Wörter verwenden. Wenn Ihnen die Bildarbeit nicht liegt, ist eine direkte Reflexion mit konkreten Alltagssituationen oder einer Werteliste eine mögliche Alternative.

Kann ein Coach aus meiner Bildwahl meine Werte erkennen?

Aus der Auswahl allein lässt sich das nicht ableiten. Erst Ihre eigenen Sätze und Beispiele zeigen, welche Bedeutung Sie dem Bild geben. Sie dürfen eine vorgeschlagene Interpretation ablehnen.

Warum steht hier nichts von einem „Herzgehirn“?

Für die Übung genügt die Unterscheidung zwischen Bildern, persönlichen Bedeutungen und begrifflicher Einordnung. Eine bildhafte Denkweise setzt kein eigenes „Herzgehirn“ voraus. Die Anleitung macht deshalb keine Aussage darüber, dass bestimmte Gehirnbereiche durch die Bildwahl aktiviert würden.

Was mache ich, wenn zwei Werte nicht gleichzeitig umsetzbar sind?

Beschreiben Sie zuerst die konkrete Entscheidung und die möglichen Folgen. Fragen Sie, wie jeder Wert zumindest teilweise berücksichtigt werden kann. Die Übung ersetzt keine Entscheidung, kann aber helfen, die eigenen Kriterien verständlicher zu formulieren.

Weiterdenken.