Persönlichkeitsstörungen sind als schwere Störungen von Persönlichkeit und Verhalten definiert. Es handelt sich um eine heterogene Gruppe von Störungsbildern. Die folgende Übersicht konzentriert sich auf die wichtigsten Persönlichkeitsstörungen.
Inhalt des Beitrags
Allgemeine Kriterien
Auch bei dieser psychischen Störung gilt, dass der Übergang zwischen Normalität und Störung fließend ist. Was ist noch individueller Persönlichkeitsstil und was ist schon eine Störung? Zudem ist die Definition der Störung als Abweichung der Norm von den jeweiligen gesellschaftlichen und sozialen Normen abhängig. Diese Problematik lässt sich auch deutlich den Diagnosekriterien für Persönlichkeitsstörungen entnehmen:
- Die inneren Erfahrungs- und Verhaltensmuster weichen deutlich von Normen ab, und zwar in mehreren der folgenden Bereiche: Kognition, Gefühle, Impulskontrolle und Bedürfnisbefriedigung
- Das Verhalten ist unzweckmäßig oder unflexibel in persönlichen und sozialen Situationen.
- Das Verhalten führt zu einem Leidensdruck bei dem Betroffenen oder dem Umfeld.
- Die Abweichung hat im späten Kindesalter oder im Jugendalter begonnen und dauert schon lange an.
- Die Abweichung kann nicht durch eine andere psychische Störung erklärt werden.
- Die Abweichung kann nicht aus Verletzungen oder deutlichen Funktionsstörungen des Gehirns (z.B. Schlaganfall) erklärt werden.
Typischerweise erleben die Betroffenen selbst die Symptomatik als wesentlichen Teil ihrer Persönlichkeit. Demnach ist die Störung für sie nur schwer als solche zu erkennen. Das macht das Einbeziehen von wichtigen Menschen aus dem Umfeld der betroffenen Person sinnvoll für die Diagnosestellung.
Im Folgenden sind die wichtigsten Merkmale der häufigsten Persönlichkeitsstörungen zusammengefasst. Nicht alle dieser Symptome müssen erfüllt sein, es handelt sich dabei nur um besonders typische Symptome.
Emotionale/dramatische Persönlichkeitsstörungen
Borderline
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist die Liste der Symptome besonders lang. Das liegt daran, dass Betroffene ein stark ambivalentes Verhalten zeigen. Beispielsweise schwanken sie zwischen Angst vor Nähe und Angst vor dem Alleinsein hin und her. Diese Verhaltensschwankungen können so weit gehen, dass es zu Abspaltungen in der Persönlichkeit kommt.
- Emotionale Instabilität, schnell wechselnde Stimmungen
- Mangelnde Impulskontrolle
- Eigenes Selbstbild, Ziele und Präferenzen sind unklar oder schwanken. Beispielsweise schwankt das Selbstbild zwischen Minderwertigkeits- und Allmachtsgefühlen.
- Mitmenschen werden abwechselnd idealisiert und entwertet
- Gefühl der inneren Leere
- Selbstverletzendes oder suizidales Verhalten
- Intensive aber instabile zwischenmenschliche Beziehungen
- Abwechselnd Angst vor dem Verlassenwerden und vor Nähe
- Nähe und Distanz können nicht oder schlecht reguliert werden
- Manipulatives Verhalten
- Dissoziative Symptome, bei denen Persönlichkeitsanteile abgespalten sind: Denkstörungen, (Teil-)Amnesien, Dämmerzustände, Kontrollverlust, sich selbst oder die Umwelt als fremd erleben
- Schlafstörungen
Die Komorbidität mit Depressionen ist massiv: 80-100% der Borderline-Patienten leiden auch unter einer Depression. Mehr als die Hälfte hat ADHS. Zwischen 20% und 70% betreiben Substanzmissbrauch. Etwa 15% leiden unter einer Essstörung.
Histrionisch
- Neigung zu Dramatisierung, Selbstinszenierung und Egozentrismus
- Andauerndes Verlangen nach Anerkennung
- Leicht beeinflussbar
- Übertriebene, theatralische und oberflächliche Gefühlslage
Dissozial (Antisozial)
- Mangelndes Mitgefühl und Schuldbewusstsein
- Missachtung sozialer Regeln
- Niedrige Frustrationstoleranz & niedrige Schwelle für aggressives Verhalten
- Können zwischenmenschliche Beziehungen nicht erhalten
Narzisstisch
- Überschätzung der eigenen Fähigkeit, unrealistisches Selbstbild
- Verlangen nach Anerkennung, Bewunderung und Bestätigung
- Mangelndes Mitgefühl
- Ausbeutendes Verhalten
- Krankhaftes Lügen und Spinnen von Intrigen
Ängstliche/vermeidende Persönlichkeitsstörungen
Die Abgrenzung zu den Angststörungen ist schwierig. Bei ängstlichen Persönlichkeitsstörungen kommt zu den Gefühlen von Anspannung, Sorge, Unsicherheit und Minderwertigkeit jedoch noch Abhängigkeit:
- Unterordnen eigener Wünsche denen anderer Personen
- Große Schwierigkeiten alleine Entscheidungen zu treffen
- Konfliktvermeidung durch Unterordnung
- Angst, auf sich selbst angewiesen zu sein
Weitere Infos
Verbreitung
In der Normalbevölkerung weisen etwa 5-15% der Menschen eine Persönlichkeitsstörung auf. Psychiatrische Patienten dagegen, die sich schon wegen einer anderen psychischen Störung in Behandlung befinden, haben zu 40-60% auch eine Persönlichkeitsstörung.
Verlauf
Die Störungen zeigen sich erstmals im Kindes- oder Jugendalter. Der weitere Verlauf ist dann lange relativ stabil (also beispielsweise keine Verschlimmerung). Eine Persönlichkeitsstörung kann nur sehr selten vollständig geheilt werden. Allerdings können in einer Behandlung Lösungen zu konkreten Problemen erarbeitet werden, sodass sich zumindest eine Verbesserung der Schwierigkeiten ergibt. Mit dem Alter (zwischen 30 und 40) gehen die Symptome meist von selbst langsam zurück.


