Ess- und Schlafstörungen sind psychische Störungen mit starken körperlichen Auswirkungen. Für Menschen mit Essstörung ist Essen ein Lebensmittelpunkt und ihr Essverhalten ist gestört. Bei einer Schlafstörung ist das Schlafverhalten gestört.
Inhalt des Beitrags
Essstörungen
Bei Essstörungen drehen sich die Gedanken der Betroffenen ständig um Essen und die Kontrolle des Körpergewichts. Das Essverhalten ist gestört, was wiederum zu einer gestörten Energiebilanz führt:
- eine zu hohe Energiezufuhr führt auf Dauer zu Übergewicht
- zu geringe Energiezufuhr resultiert langfristig in Untergewicht und hormonellen Störungen
- eine falsche Ernährung hat Mangelerscheinungen zur Folge (z.B. Vitaminmangel)
Die zwei wichtigsten Essstörungen sind:
- Anorexia nervosa (‚Magersucht‘; ‚Anorexie‘) zeichnet sich durch ein selbst herbeigeführtes Untergewicht und ein negatives Körperbild aus – typischerweise fühlen sich die Betroffenen trotz deutlichen Untergewichts noch zu dick. Das Körpergewicht wird durch eingeschränkte Nahrungsaufnahme, Sport, Erbrechen oder Abführmittel erreicht.
- Bei Bulimia nervosa (‚Ess-Brech-Sucht‘, ‚Bulimie‘) wechseln sich Essanfälle mit kompensatorischen Verhaltensweisen ab, mit denen eine Gewichtszunahme verhindert werden soll, z.B. Erbrechen, Abführmittel oder Entwässerungsmittel. Das Körpergewicht ist meist im normalen Bereich, doch auch hier halten sich die Betroffenen für zu dick.
Die Essstörungen liegen nicht immer in Reinform vor. Es gibt Übergänge und Zwischenformen. Zudem gibt es noch weitere Störungen, wie etwa die Binge Eating Störung, bei der es nur zu Essattacken kommt, ohne kompensatorische Maßnahmen wie bei Bulimia nervosa.
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Anorexia nervosa (‚Magersucht‘)
Diagnostische Kriterien
- Gewichtsverlust (mindestens 15% unter dem Normalgewicht)
- Gewichtsverlust ist selbst herbeigeführt durch Vermeidung von Nahrung
- Selbstwahrnehmung als zu dick, Angst zu dick zu werden, Annehmen einer sehr niedrigen Gewichtsschwelle für sich selbst
- Umfassende hormonelle Störung, die sich bei Männern als Libido- oder Potenzverlust äußert und bei Frauen als Ausbleiben der Menstruation
Bei Anorexia nervosa ist das Gewicht stark an das Selbstwertgefühl gekoppelt. Die Betroffenen fühlen sich wertlos, weil sie sich als nicht dünn genug empfinden. Das Ziel (dünn sein) wird aus ihrer Sicht jedoch nie erreicht, weil sie sich grundsätzlich als zu dick wahrnehmen.
Auf Dauer werden durch das gestörte Essverhalten auch physiologische Mechanismen wie Hunger- und Sättigungsgefühl verändert, wodurch die Magersucht weiter gefestigt und verstärkt wird. Die Folgen sind Mangelernährung, Muskelschwund, Osteoporose oder Unfruchtbarkeit.
Bulimia nervosa (‚Ess-Brech-Sucht‘)
Diagnostische Kriterien
- Häufige Essanfälle (mindestens zwei Mal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten)
- Andauernde Beschäftigung mit Essen, unwiderstehliche Gier oder Zwang zu essen
- Versuche, der Gewichtszunahme durch mindestens eine der folgenden Verhaltensweise gegenzusteuern:
- selbst herbeigeführtes Erbrechen
- Missbrauch von Abführmitteln
- Hungerperioden oder Diäten
- Missbrauch von Appetitzüglern, Hormonen oder anderen Medikamenten
- Selbstwahrnehmung als zu dick oder Angst, zu dick zu werden
Bei den Essanfällen nehmen die Betroffenen deutlich größere Mengen zu sich als sonst, oft mehrere 1000 Kilokalorien.
Ebenso wie bei Magersucht ist hier das Selbstwertgefühl an Figur und Gewicht gekoppelt und ein negatives Körperbild liegt vor (sich als zu dick empfinden trotz Normalgewichts).
Die Maßnahmen, die die Betroffenen gegen das Zunehmen ergreifen (bspw. Erbrechen), können schwere medizinische Schäden nach sich ziehen:
- Mineralstoffmangel (z.B. Kaliummangel)
- Zahnschäden
- Schwellungen der Speicheldrüsen
- Entzündungen der Speiseröhre
- Herzrhythmusstörungen
- Risse in Speiseröhre, Magen oder Darm
- Nierenfunktionsstörungen
Weitere Infos
Verbreitung: Die Zahlen zur Verbreitung schwanken stark je nach Quelle. Klar ist jedoch, dass junge Mädchen/Frauen besonders häufig betroffen sind, etwa 10 mal häufiger als Männer. Bei Magersucht sind etwa 0,2 bis 0,9% der Teenager zwischen 14 und 20 betroffen. Für Bulimie wird eine Verbreitung von 1-2% unter 16-35jährigen geschätzt.
Ein hoher statistischer Unterschied zwischen zwei Gruppen in der Verbreitung (wie hier zwischen Männern und Frauen) kann zu großen Problemen führen, wenn eine Gruppe ‚unsichtbar‘ wird. Beispielsweise bekommen magersüchtige Jungen oft keine Hilfe, weil die Störung nicht diagnostiziert wird oder nicht ernstgenommen wird
Verlauf: Magersucht beginnt typischerweise im Alter zwischen 10 und 19. Die Störung beginnt meist mit Diätverhalten, anfangs eventuell noch mit Essanfällen. Die Todesrate beträgt 5-15%, wobei Betroffene durch Suizid, Infektionen (aufgrund des geschwächten Körpers) oder Verhungern sterben. Bulimie beginnt normalerweise etwas später, mit 18-19 Jahren und besteht oft über mehrere Jahre bis zur Heilung.
Schlafstörungen
Schlafstörungen sind eine besondere Herausforderung in der Psychologie, weil die Gründe für Schlaf noch weitgehend unbekannt sind. Klar ist, dass Schlafmangel auf Dauer massive Folgen hat, z.B. Müdigkeit, Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, verminderte kognitive Leistung, höhere Schmerzempfindlichkeit, Apathie, Depressionen, Wahrnehmungsstörungen, Muskelschmerzen, Wesensveränderung, Herz-erkrankungen.
Das vollständige Ausbleiben von Schlaf ist langfristig tödlich – dazu kommt es jedoch nur bei einer seltenen Erbkrankheit und unter dramatischen Umständen wie Folter. Damit klar ist, dass es sich um eine psychische Störung handelt, müssen zunächst zahlreiche in Frage kommende organische Ursachen ausgeschlossen werden.
Diagnostische Kriterien
- Erhebliche Störung von Dauer/Qualität/Zeitpunkt des Schlafs, mindestens dreimal in der Woche über einen Zeitraum von mindestens einem Monat
- Emotionale Ursache, keine organische Ursache
- Die Schlafprobleme verursachen einen deutlichen Leidensdruck oder wirken sich auf die alltägliche Funktionsfähigkeit aus
Arten von Schlafstörungen
Insomnie bezeichnet einen Schlafmangel durch zu wenig Schlaf und Ein- oder Durchschlafprobleme.
Hypersomnie dagegen ist eine Schlafsucht, bei der die Betroffenen ein zu hohes Schlafbedürfnis haben.
Außerdem gibt es noch die Parasomnien, abnorme Episoden, die während des Schlafs auftreten:
- Schlafwandeln, bei dem sich Schlaf- und Wachzustände vermischen
- Nachtangst (Pavor Nocturnis)
- Alpträume (Angsttraumstörung)
Die Symptome der verschiedenen Schlafstörungen entsprechen den oben genannten Folgen von Schlafmangel.
Weitere Infos
Verbreitung: Schlafstörungen sind eine regelrechte Volkskrankheit. Etwa 15% der Bevölkerung leiden unter eingeschränkter Leistungsfähigkeit aufgrund von Schlafstörungen.


