Coaching-Tool: Innere Lebensbilder

Dieses Tool arbeitet mit den Bildern des Herzgehirn (vgl. ich.raum Coaching-Modell). Auf Grundlage dieser inneren Lebensbilder werden Wünsche, Ziele, Werte und Ressourcen identifiziert.

Dieses Tool basiert auf einer Idee von Bernd Schmid, er verwendet den Begriff „sinnstiftenden Hintergrundbilder“. Die Suche nach inneren Lebensbildern ist ein kreativer und spielerischer Prozess. Innere Lebensbilder sind eine wertvolle Ressource, wenn es um die Identifikation von Werten und Zielen gehen, die der Coachee nicht auf den ersten Blick greifen und benennen kann. Der Coach kann den Prozess steuern, in dem er nach inneren Bildern fragt, die in Zusammenhang mit dem Anliegen des Coachee stehen, z.B. wenn es eher um berufliche Bilder geht, oder wenn es um Rollenmodelle geht (Vater, Mann, Partner, Sohn).

Welche Lebensbilder tragen mich?

Der Coach unterstützt den Coachee dabei, entsprechende Lebensbilder zu finden.

Die Suche nach den einzelnen Lebensbildern folgt jeweils den folgenden drei Schritten.

  1. Beschreibung des inneren Lebensbildes (z.B. „Was wollten sie als Kind werden?“).
  2. Identifizieren eines zentralen Bildes (z.B. „Angenommen Sie wären XYZ geworden und es gäbe einen Kinofilm über ihr Leben. Was wäre auf dem Werbeplakat zu sehen?“ oder „Wie sähe das Titelbild auf dem Buch ihres Lebens aus?“ oder „Was wäre die Schlüsselszene in diesem Film?“).
  3. Benennen eines Mottos oder zentrales Themas (z.B. „Stellen sich vor, zwei laufen an dem Werbeplakat vorbei und betrachten es. Was würden Sie darüber sagen.“ oder „Jemand schaut das Werbeplakat an und vervollständigt den Satz: Das sieht man mal, dass … “).

Auf diese Weise können mehrere innere Lebensbilder gefunden werden. Für jedes Lebensbild wird dann ein Satz, eine Überschrift, eine Idee festgehalten. Diese Sammlung eines Mottos oder eines Idee kann kreativ Symbole, Metaphern, Filme, Buchtitel, Sprichwörter, Theaterstücke, Musiktitel und ähnliches nutzen.

Mögliche Fragen für die Arbeit mit inneren Lebensbildern:

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  • Was wollten sie als Kind werden?
  • Der ideale Tag … Wie sieht der aus?
  • Wenn sie an den Beruf ihres Vaters (oder andere Familienmitglieder) denken, was kommt ihnen in den Sinn?
  • Sie sind 80 Jahre alt und haben ein [erfülltes Berufsleben] hinter sich.
  • Wenn sie ein Tier wären … welches wären sie gerne?
  • Ihr Traumurlaub?
  • Eine Situation, in der sie [voll und ganz entspannt sind]?
  • Eine Situation, in der sie sich als [wichtig und leistungsfähig] erleben?
  • Wenn sie an ihre Familie denken … was kommt ihnen als Erstes in den Sinn?

Es wichtig, in dieser ersten Phase noch keine Bewertung und Interpretation der inneren Lebensbildern vorzunehmen, um dem Coachee ein freies und kreatives Wahrnehmen der Bilder zu ermöglichen. Der Coach kann sich mit eigenen Ideen und Assoziationen einbringen, Bewertungen, und Interpretationen sollten aber vorsichtig, zurückhaltend und respektvoll erfragt werden.

Intervention: Was bedeutet das?

Wenn Sie mit Ihrem Coachee genügend innere Bilder gesammelt haben, bitten Sie Ihren Coachee über folgende Fragen nachzudenken:

  • Welche Unterschiede gibt es zwischen den inneren Lebensbilder und den äußeren Bildern ihres Leben (z.B. Bezug auf den ihren Beruf, ihre Partnerschaft, ihr Leben allgemein).
  • Was sagen ihnen die innere Lebensbilder in Bezug auf
    • ihren Beruf,
    • das Team, mit dem sie arbeiten,
    • die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit,
    • die Beziehung zwischen Arbeit und Freizeit,
    • die Erwartungen, die sie und andere an sich haben,
    • ihre Familie, ihre Partnerschaft.
  • Wo erleben sie die Bilder als stimmig und passend, wo fehlt ihnen etwas, wo sehen sie einen Konflikt?
  • Was verraten die Bilder über sie, ihre persönliche Entwicklung, ihren Beruf?
  • Was fällt ihnen noch ein?

Abschluss und Zusammenfassung

Am Schluss des Coaching-Prozesses fasst der Coachee zusammen, was für ihn das Spannende, Bemerkenswerte, Interessante oder Neue war, das er aus der Arbeit mit den inneren Lebensbildern mitgenommen hat.

  • Gibt es ein besonders starkes Bild?
  • Welches Bild kann sie im Alltag an ihre Ziele und Wünsche erinnern?
  • Welches Bild tut ihnen gut?

Außerdem kann der Coachee überlegen, welches der inneren Lebensbildern in anregt, Neues auszuprobieren, sich zu verändern oder was er in seinem Leben verstärken, ausbauen oder hervorheben möchte.

Die Arbeit mit inneren Lebensbildern zielt nicht auf ein bestimmtes Ergebnis ab. Aus Bildern, die der Coachee erarbeitet hat, ergibt sich in der Regel keine bestimmte Strategie oder Verhaltensweise, die der Coachee direkt umsetzen kann. Die inneren Lebensbilder sind in vielen Fällen eine wichtige Ressource, die im späteren Coaching genutzt werden kann. Es ist wichtig, den Ideen, Eindrücken und er Kreativität des Coachee genügend Zeit und Raum zu lassen.

Das Tool kann auch als Teil anderer Interventionsmethoden genutzt werden, um die Bilder des Herzgehirn zu aktivieren.

Quellen und weiterführende Literatur

Schmid, B. (2004). Sinnstiftende Hintergrundbilder professioneller Szenen. In C. Rauen (Hrsg.). Coaching-Tools, Managerseminare Verlag.

Wer schreibt hier?

Johannes ist Professor für Wirtschaftspsychologie in Stuttgart und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er schreibt auf ichraum.de zu den Themen Coaching, Führung und Psychologie.

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