Arbeit mit Metaphern und Bildern

Der Einsatz von Bildern und Metaphern im Coaching kann den Rapport zwischen Coach und Coachee unterstützen. Außerdem erleichtern Bilder den Transfer des im Coaching Gelernten in den Alltag.

Bilder und Metaphern sprechen das Herzgehirn an. Wenn der Coach sich auf die inneren Bilder des Coachee einlässt, kann er seine Sprache sprechen. Das erleichtert den Aufbau von Rapport und das gegenseitige Verstehen. Gleichzeitig sind Bilder und Methapern eine Möglichkeit, um Lösungen zu entdecken und zu entwickeln.

Über Bilder ist  ein Zugang zum Bauchgehirn und zur Intuition des Coachee möglich. Statt über Lösungen bewusst nachzudenken, erlauben Bilder den unmittelbaren Zugang zu neuen Ideen.

Bilder und Metaphern können dabei vielfältige Quellen haben:

  • Erlebnisse und Erinnerungen des Coachee (z.B. der Blick über den Grand Canyon im letzten Urlaub),
  • Erzählungen, Geschichten, Märchen (z.B. „Ich bin ein Hans im Glück“),
  • Sprichwörter und Redensarten („.. das Herz in die Hand nehmen.“)
  • spirituelle Texte(„Den seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“),
  • Bilder, Figuren, Szenen aus Märchen oder Sagen („Phönix aus der Asche“)
  • Bilder, Figuren, Szenen aus Filmen und Büchern („James Bond“)

Am wirksamsten sind Bilder und Metaphern, die der Coachee selbst einbringt. Hier muss der Coach aufmerksam (aktiv) zuhören, um die entsprechenden Bilder wahrzunehmen und weiterentwickeln zu können. Außerdem kann der Coach auch gezielt nach Bildern fragen, an die sich der Coachee erinnert fühlt und die das Anliegen illustrieren. Wenn der Coach eigene Ideen einbringt, gilt es die Reaktion des Coachee genau zu beobachten, um die passenden Bilder zu finden.

Oft ergeben sich aus dem Weiterdenken von Bildern neue Impulse, aus einem Problembild kann ein Lösungsbild werden. Bilder und Metaphern müssen aber nicht immer logisch und in sich abgeschlossen sein. Das wahrnehmen, wo eine Bild passt und wo nicht, kann zur Klärung eines Anliegen beitragen (Ich reagiere wie James Bond: souverän und von mir selbst überzeugt. – Aber ich kann auch mal in der zweiten Reihe stehen.).

Bilder sind außerdem eine gute Möglichkeit, um den Transfer des im Coaching Entdeckten in den Alltag zu erleichtern. Sie können z.B. über eine Postkarte, eine Figur, einen Stein, oder eine Idee auf einer Moderationskarte an eine Lösung oder geplante Veränderung erinnern.

 Coaching-Übung: Bilder und Metaphern entdecken

[edd_restrict id=“7421″]

Die Coaching-Übung ist in einer Gruppe von 5 bis 10 Personen am Besten umsetzbar. Klären Sie zuerst die Rollen: Eine Person bringt als Coachee ein Thema, ein Anliegen oder ein Problem ein. Eine Person übernimmt als Coach die Verantwortung für den Coaching-Prozess. Die anderen Personen übernehmen als Beobachtenden die Rolle von Co-Coachs und sind aktiv am Coaching-Prozess beteiligt.

Der Coachee bringt sein Anliegen ein. Coach und Co-Coachs hören aktiv zu und achten insbesondere auf Bilder und Metaphern, die der Coachee verwendet. Außerdem nehmen die Co-Coachs genau war, welche Bilder, Metaphern, Analogien und Beispiele ihnen beim Zuhören durch den Kopf gehen. Der Coach kann einige Fragen stellen, mit dem Ziel, den Coachee zum weiteren Erzählen anzuregen. Es soll keine Coaching-Gespräch durchgeführt werden.

Dann wird das Gespräch unterbrochen. Coach und Co-Coachs lassen das Gesagte auf sich wirken und nehmen wahr, welche Bilder, Assoziationen und Geschichten ihnen durch den Kopf gehen. Dann notieren Coach und Co-Coachs ihre Ideen zu Filmen, Büchern, Erzählungen, Märchen, Spielen, Sprichworten, Theaterstücken, Kunstwerken, Musikstücken. Es geht dabei nicht um eigene Erfahrungen und Erlebnisse, sondern um Bilder und Metaphern, die auch anderen Personen bekannt sind.

Der Reihe nach erzählen Coach und Co-Coachs ihre Ideen. Dabei achten sie darauf, was den Coachee anspricht und passend ist. Außerdem bleiben Coach und Co-Coach immer in einer wertschätzenden Haltung und achten auf passende Formulierungen. Es geht nicht darum, möglichst viele Ideen zu finden, und diese ausführlich zu erläutern oder zu begründen.

Der Coach achtet darauf, dass es für den Coachee nicht zu viele oder vielfältige Anregungen werden.

Zum Abschluss hat der Coachee wieder das Wort. Er fasst kurz zusammen, welche Bilder und Metaphern für ihn spannend, hilfreich und überraschend waren und bedankt sich bei Coach und Co-Coach.

Außerdem kann sich eine Feedback- und Reflexionsrunde anschließen, in der sich Coach und Co-Coachs über Ihre Erfahrungen austauschen:

  • Welche Bilder und Methapern waren hilfreich?
  • Welche könnten zur Lösung beitragen?
  • Wo war eine Idee eher hinderlich und unpassend?

[/edd_restrict]

Quellen und Leseempfehlungen

Scherer, J. (2007). Kreativitätstechniken: In 10 Schritten Ideen finden, bewerten, umsetzen. GABAL Verlag GmbH.

Mahlmann, R. (2010). Sprachbilder, Metaphern & Co.: Einsatz von bildlicher Sprache in Coaching, Beratung und Training. Beltz.

Hillert, D. G. (2011). Nimm’s nicht so wörtlich. Gehirn und Geist, 2011(11), 70-73.

Prof. Dr. Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk ist promovierter Diplom-Psychologe und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen und hat eine Professur für Psychology and Management an der International School of Management in Frankfurt und Stuttgart. Johannes Moskaliuk hat das Konzept des ich.raum Coaching entwickelt, dass Theorien und Methoden aus unterschiedlichen Coaching-Traditionen verbindet.