Aktuelle Meta-Analyse: Business-Coaching wirkt.

Coaching durch interne oder externe Coachs ist mittlerweile in vielen Unternehmen eine etablierte Personalentwicklungsmaßnahme. Insbesondere Führungskräfte oder Mitarbeitende, die für Führungsaufgaben in Frage kommen werden im Coaching beraten und begleitet. Ziel solcher Coaching-Maßnahmen ist aus Sicht einer Organisation (neben der persönlichen Weiterentwicklung des Coachees), die Leistungsfähigkeit einer Organisation als Ganzes zu erhalten oder zu steigern.

Erhoffte Ergebnisse des Coachings sind dann z.B. eine höhere Arbeitszufriedenheit, eine effektiver Delegation von Arbeitsaufgaben, weniger Konflikte im Team, weniger Fehlzeiten oder eine Steigerung von Verkaufszahlen.

Warum wirkt Coaching? Eine Meta-Analyse

In zunehmenden Maß wird der Bedarf erkannt, die Wirksamkeit von Coaching empirisch zu überprüfen. Es liegen eine Reihe von praxisnahen Arbeiten vor, die einzelne Coaching-Maßnahmen evaluieren, in Fallstudien Wirkfaktoren beschreiben oder einen Überblick über bestehende Theorien geben.

Aus methodischer Sicht ist der nächste Schritt eine Meta-Analyse, in der Einzelergebnisse zusammengefasst werden, und die Bedeutung einzelner Faktoren im Bezug auf ihre Wirkung quantitativ bewertet wird.

Eine solche Meta-Analyse zur Wirksamkeit von Coaching haben jetzt Tim Theeboom und Kollegen veröffentlicht. Darin fassen sie die Ergebnisse von 18 Coaching-Studien zusammen, die nach einer ausführlichen Recherche und Selektion von Studien übrig geblieben sind. So wurden z.B. nur Studien in die Meta-Analyse aufgenommen, wenn quantitative Daten zur Wirksamkeit enthalten waren, das Coaching von ausgebildeten Coachs durchgeführt wurde und es sich um eine psychisch gesunde Stichprobe handelte. Außerdem wurden alle Studien ausgeschlossen, in denen die Coachs gleichzeitig die Vorgesetzten oder Mentoren der Coachees waren oder wenn das Coaching lediglich ein Teil eines umfangreicheren Programms zur Führungskräfte-Entwicklung war

Durchgehend hohe Effektstärken.

Die erhobenen Variablen der ausgewählten Studien wurden zu folgenden Kategorien zugeordnet, die mögliche Ergebnisse des Coaching messen: Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden, Coping (Bewältigungsstrategien), Arbeitseinstellung und zielgerichtete Selbstregulierung. Diese Zuordnung ist die Grundlage, um im nächsten Schritt die Wirkung von Coaching präzise bewerten zu können.

Mit statistischen Verfahren wurde dann die Effektstärke der einzelnen Ergebniskategorien analysiert. Die Effektstärke sagt etwas darüber aus, wie groß die Wirkung ist, die sich über alle Studien hinweg und mit unterschiedlichen Messmethoden für die einzelnen Ergebniskategorien zeigen.

Insgesamt zeigt sich über die 18 Studien hinweg ein positiver Effekt von Coaching für alle Ergebniskategorien. Die größte Effektstärke zeigt sich bei der zielgerichteten Selbstregulierung. Die Variablen bezieht sich also auf Variablen die messen, ob der Coachee nach dem Coaching erfolgreicher eigene Ziele setzen, verfolgen und bewerten kann.

Kürzer ist nicht schlechter.

Ein weiteres interessantes Ergebnis ist, dass die Anzahl der durchgeführten Coaching-Sitzungen statistisch in keinem Zusammenhang mit der Effektivität des Coaching steht. Dieses Ergebnis sagt aber zunächst nichts über die kausalen Beziehungen aus. Eine Erklärung könnte sein, dass Personen mit weniger komplexen Coaching-Anliegen in weniger Coaching-Sitzungen benötigen, um zu Ziel zu kommen. Eine andere Erklärung könnte die eingesetzte Coaching-Methode sein, da z.B. das lösungsfokussierte Coaching, das in der Regel mit wenigen Coaching-Sitzungen auskommt.

Allerdings zeigen sich auch große Unterschiede zwischen den einzelnen Studien, insbesondere im Bezug auf die Kategorien Leistungsfähigkeit und die zielgerichtete Selbstregulierung. Das kann zum einen ein Hinweis auf die große methodische Vielfalt sein und die für eine Meta-Analyse eher kleine Anzahl von Studien. Zum anderen deutet das darauf hin, dass es weitere Faktoren gibt, die Einfluss auf Wirksamkeit eines Coachings haben und die in den bisher vorliegenden Studien nicht erfasst wurden.

Fazit: Diese Studie ist ein der wenigen empirischen Arbeiten, die die Wirksamkeit von Coaching quantitativ untersucht. Je nach Ergebnis-Kategorie fließen in die Analyse die Daten von bis zu 2000 Coachees ein. Die Studie liefert erste Hinweise auf die generelle Wirksamkeit von Coaching in Bezug auf die untersuchten Ergebniskategorien.

Quelle: Theeboom, T., Beersma, B., & van Vianen, A. E. (2014). Does coaching work? A meta-analysis on the effects of coaching on individual level outcomes in an organizational context. The Journal of Positive Psychology, 9(1), 1-18.

Wer schreibt hier?

Johannes ist Professor für Wirtschaftspsychologie in Stuttgart und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er schreibt auf ichraum.de zu den Themen Coaching, Führung und Psychologie.

Newsletter-Abo

Den ich.raum Newsletter finden Sie jetzt auf Substack. Dort können Sie ein kostenloses Abo abschließen.

Aktuelle Beiträge

Abonieren Sie unseren Newsletter

Für den Newsletter von ich.raum koopieren wir mit Substack. Das Newsletter-Abo ist für Sie kostenlos. Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein, und klicken Sie auf Abonieren.

Was interessiert Sie?

Ähnliche Beiträge

Servant Leadership: Eine Revolution in der Führungskultur

Servant Leadership ist ein moderner Führungsansatz, der das Wohlbefinden und die Entwicklung der Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellt. Im Gegensatz zu klassischen hierarchischen Modellen basiert dieser Führungsstil auf Empathie, aktivem Zuhören, Vorbildfunktion und der Förderung individueller Stärken. Geprägt von Robert K. Greenleaf, zielt Servant Leadership darauf ab, langfristige Beziehungen, Vertrauen und nachhaltigen Erfolg zu schaffen. Studien zeigen positive Effekte auf Arbeitszufriedenheit, Produktivität, Teamdynamik und Innovationsfähigkeit sowie eine geringere Fluktuation. Trotz Herausforderungen wie Zeitaufwand oder kulturellem Widerstand bietet Servant Leadership großes Potenzial für eine positive, zukunftsfähige Führungskultur.