Glaubenssätze hinterfragen: Beliefs wertschätzen und verändern
Die Funktion eines Glaubenssatzes erkunden, glaubwürdige Alternativen entwickeln und im Alltag erproben. Mit Anleitung und Reflexionshilfe.
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Ein Glaubenssatz kann heute einschränken und zugleich mit einem verständlichen Anliegen verbunden sein. „Ich darf keine Fehler machen“ könnte beispielsweise mit dem Wunsch nach Verlässlichkeit zusammenhängen. Das heißt nicht, dass jeder Glaubenssatz eine verborgene positive Absicht haben muss.
Dieses Coaching-Tool lädt dazu ein, eine Überzeugung auf ihre bisherige Funktion, ihre heutigen Folgen und mögliche Alternativen zu prüfen. Ziel ist eine glaubwürdige, beweglichere Orientierung, die Sie im Alltag erproben können. Die vollständige Anleitung und eine Reflexionshilfe stehen hier im Text.
Was bedeutet es, einen Belief wertzuschätzen?
Mit Beliefs sind hier Überzeugungen oder Glaubenssätze über sich selbst, andere Menschen und die Welt gemeint. Sie können Erwartungen und Entscheidungen beeinflussen. In diesem Artikel geht es um konkrete Annahmen wie „Wenn ich um Hilfe bitte, wirke ich unfähig“.
Wertschätzen heißt, die Person und ihre Erfahrungen ernst zu nehmen. Es bedeutet nicht, jede Annahme für wahr zu erklären oder schädliches Verhalten zu rechtfertigen. Eine Überzeugung kann zeitweise Orientierung gegeben haben und heute zu unpassenden Entscheidungen beitragen. Ob das im Einzelfall zutrifft, wird gemeinsam erkundet.
1. Auftrag und konkrete Situation klären
Beginnen Sie mit dem Coaching-Auftrag: Was möchte die Person verändern oder besser verstehen? Lassen Sie eine konkrete Situation beschreiben, in der die Überzeugung eine Rolle spielte. Was geschah? Was dachte die Person? Was tat sie anschließend?
Fassen Sie den vermuteten Glaubenssatz in einem Satz zusammen und lassen Sie ihn korrigieren. Verwenden Sie möglichst die Worte des Coachees. „Sie glauben also, dass Sie nichts wert sind“ wäre eine weitreichende Deutung, wenn die Person lediglich von einer schwierigen Besprechung berichtet hat.
2. Eine mögliche Funktion erkunden
Fragen Sie zunächst offen, ob die Überzeugung etwas Hilfreiches hatte oder noch hat. Geeignete Fragen sind:
- Welche Rolle hat dieser Satz in Ihrem bisherigen Leben gespielt?
- Gab es Situationen, in denen er Ihnen Orientierung gab?
- Was hat er möglicherweise sichergestellt oder geschützt?
- Was könnte Ihnen fehlen, wenn Sie ihn aufgeben?
- Was könnten Sie ohne ihn leichter tun, was vielleicht schwerer?
- Welche Nachteile bringt er heute mit sich?
Eine mögliche Funktion kann Sicherheit, Zugehörigkeit, Anerkennung oder Verlässlichkeit sein. Das sind Vorschläge zum Prüfen, keine fertigen Erklärungen. Wenn die Person keine hilfreiche Funktion erkennt, lassen Sie das gelten. Wiederholtes Drängen auf eine „positive Absicht“ kann eine Erklärung hervorbringen, die eher dem Coach als dem Coachee entspricht.
Sie können auch ohne solche Erklärung weiterarbeiten: Welche Folgen hat die Annahme? Welche Erfahrungen sprechen dafür, welche dagegen? In welchen Situationen gilt sie nicht? Welche andere Sicht wäre mit den bekannten Tatsachen vereinbar?
3. Bisherigen Nutzen und heutige Kosten unterscheiden
Notieren Sie zwei Spalten: „Was hat der Satz ermöglicht?“ und „Was erschwert er heute?“ Eine Überzeugung kann vertraut sein und damit Orientierung geben, ohne in jeder Situation hilfreich zu sein. Widerspruch allein löst sie nicht zwingend auf; er verstärkt sie aber auch nicht automatisch.
Fiktives Beispiel: Eine Projektleiterin arbeitet nach dem Satz „Ich muss alles selbst kontrollieren“. Damit verbindet sie den Wunsch, zuverlässig zu liefern. Zugleich entstehen Engpässe, weil Entscheidungen auf sie warten. Das Anliegen Verlässlichkeit bleibt wichtig. Die konkrete Regel, alles persönlich zu prüfen, steht zur Diskussion.
4. Mehrere glaubwürdige Alternativen formulieren
Sammeln Sie zunächst mehrere neue Formulierungen, etwa auf einzelnen Karten. Die Person entscheidet selbst, welche passen. Ein neuer Satz sollte keine unrealistische Gegenbehauptung sein. Aus „Ich darf keine Fehler machen“ muss nicht „Fehler sind immer gut“ werden.
Mögliche Alternativen lauten: „Ich arbeite sorgfältig und kläre, welche Fehlerfolgen besonders wichtig sind“ oder „Bei Unsicherheit frage ich rechtzeitig nach“. Für die Projektleiterin könnte passen: „Ich sichere Qualität durch klare Zuständigkeiten und vereinbarte Prüfpunkte.“
Prüfen Sie jede Formulierung: Ist sie glaubwürdig? Berücksichtigt sie ein weiterhin wichtiges Anliegen? Lässt sie mehr als eine Handlung zu? Passt sie zu den tatsächlichen Anforderungen? Wenn Sie eine hilfreiche Funktion erkannt haben, können Sie diese bewahren, ohne die alte Regel unverändert fortzuführen.
5. Eine Variante mit Stühlen oder Bodenmarkierungen
Falls die Person spielerisches Arbeiten passend findet, können zwei Stühle oder beschriftete Karten unterschiedliche Perspektiven darstellen: die bisherige Regel und eine mögliche neue Orientierung. Das sind Arbeitsbilder, keine Behauptung über getrennte Persönlichkeiten.
- Einverständnis klären: Erklären Sie die Übung. Die Person kann sitzen bleiben, nur schriftlich arbeiten oder jederzeit aufhören.
- Die bisherige Perspektive beschreiben: Welche Botschaft vertritt sie? Was möchte sie möglicherweise sichern? Ein eigener Name wie „Qualitätswächter“ kann helfen, muss aber nicht verwendet werden.
- Die neue Perspektive erproben: Wie würde eine flexiblere Orientierung klingen? Welche Antwort hat sie auf die berechtigten Anliegen der bisherigen Regel?
- Abstand nehmen: Betrachten Sie beide Formulierungen wieder aus der gewöhnlichen Gesprächsposition. Was passt, was nicht?
Der Coach kann auf ausdrücklichen Wunsch einen zuvor vereinbarten Satz als Rollenspiel wiedergeben. Er sollte weder eine innere Stimme erfinden noch deren angebliche Wahrheit behaupten. Für eine schriftliche Variante genügen zwei Spalten. Das innere Team bietet eine weitere metaphorische Form, unterschiedliche Anliegen zu betrachten.
6. Den neuen Satz auf Alltagstauglichkeit prüfen
Ein sogenannter Öko-Check betrachtet mögliche Folgen im eigenen Umfeld. Er ist eine Prüfung, keine Absicherung dafür, dass die Veränderung gelingt. Besprechen Sie:
- Was würde ich konkret anders tun, wenn ich mich an diesem Satz orientiere?
- Welche hilfreiche Funktion der alten Regel möchte ich erhalten?
- Welche Nachteile oder Risiken könnte die neue Handlungsweise haben?
- Wie könnten Kolleginnen, Kollegen oder nahestehende Menschen reagieren?
- Was davon weiß ich, was vermute ich nur?
- Welche Absprachen, Grenzen oder Unterstützung brauche ich?
Die Projektleiterin könnte zunächst eine überschaubare Aufgabe mit klaren Prüfkriterien delegieren. Bei Aufgaben mit hohen Fehlerfolgen gelten andere Anforderungen. Die neue Orientierung soll zur Situation passen und nicht zur nächsten starren Regel werden.
7. Einen kleinen Versuch vereinbaren und auswerten
Formulieren Sie eine Handlung mit Zeitpunkt und Beobachtungskriterium. Beispielsweise: „Im nächsten Projekttermin übergebe ich die Vorbereitung eines Teilthemas, vereinbare das Ergebnis und einen Rückfragetermin.“ Prüfen Sie später: Was habe ich getan? Was geschah tatsächlich? Was war hilfreich, was muss angepasst werden?
Ein neuer Satz verändert Verhalten nicht zwangsläufig von selbst. Übung, Rückmeldung und passende Bedingungen können nötig sein. Nutzen Sie dafür die Transferplanung. Wenn die Umsetzung schwerfällt, ist das ein Anlass zur gemeinsamen Prüfung und kein Beleg mangelnder Bereitschaft.
Arbeitsblatt für die eigene Reflexion
Nehmen Sie ein überschaubares berufliches Thema und beantworten Sie diese Fragen schriftlich oder im Gespräch:
- In welcher konkreten Situation wirkt meine bisherige Überzeugung?
- Wie lautet sie in meinen eigenen Worten?
- Welche mögliche Funktion erkenne ich – oder bleibt diese offen?
- Was ermöglicht sie, was erschwert sie?
- Welche drei glaubwürdigen Alternativen fallen mir ein?
- Welche davon möchte ich erproben, und was soll erhalten bleiben?
- Welche Folgen und Absprachen muss ich berücksichtigen?
- Was tue ich bis wann, und wann werte ich die Erfahrung aus?
Wenn sich hinter dem Satz ein wichtiger Wert zeigt, kann die Werteliste mit Reflexionsübungen beim Benennen helfen. Die Wertehierarchie unterstützt Sie dabei, konkurrierende Prioritäten genauer zu betrachten. Die Übungen sind Gesprächshilfen und keine diagnostischen Verfahren.
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