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Entwicklung als Coach: Bestandsaufnahme und nächste Lernschritte

Die eigene Entwicklung als Coach sichtbar machen: vier Bereiche, vollständige Übung, Beispiel und Vorlage für konkrete nächste Lernschritte.

Hände halten mehrere gelbe Klebezettel und einen Stift.

Foto: Kelly Sikkema / Unsplash.

Was haben Sie als Coach gelernt, was nutzen Sie bereits sicher und was möchten Sie weiterentwickeln? Diese Bestandsaufnahme macht Ihre Antworten auf einem großen Blatt sichtbar. Sie ordnen Wissen, Methoden und persönliche Lernerfahrungen und wählen anschließend einen konkreten nächsten Schritt.

Die Visualisierung ist eine praktische Reflexionshilfe, kein Kompetenztest. Die Position einer Notiz zeigt Ihre aktuelle Einschätzung. Sie ersetzt weder eine beobachtete Anwendung noch fachliche Rückmeldung oder erforderliche Qualifikationen.

Die Vorlage: vier Bereiche um ein gemeinsames Zentrum

Sie benötigen ein Blatt mindestens im Format DIN A3, Klebezettel und einen Stift. Schreiben Sie in die Mitte „Ich als Coach“. Beschriften Sie die vier Ecken mit den folgenden Bereichen. Die genaue Anordnung ist frei; entscheidend sind die Bedeutungen.

Bereich Was Sie dort sammeln können
Theorie Fachwissen, Ansätze und Modelle, eigene theoretische Prägungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und aktuelle Forschungsergebnisse.
Intervention Methoden und Werkzeuge, Wissen über diagnostische Verfahren und deren Grenzen, mögliche Wirkweisen, kreative Ideen und Weiterentwicklungen.
Prozess Dialogfähigkeit und Kommunikation, die eigene Rolle als Coach, Verantwortung, Sprache und Perspektivwechsel.
Selbst Professionelle und stimmige Haltung, eigene Erwartungen und Bewertungen, Wertschätzung und Offenheit.

Eine Notiz darf zwischen zwei Bereichen liegen. Beispielsweise kann „offene Fragen stellen“ sowohl ein Werkzeug als auch Teil Ihrer Gesprächshaltung sein. Es geht um eine hilfreiche Ordnung, nicht um die einzig richtige Zuordnung.

1. Sammeln: Was habe ich gelernt?

Erinnern Sie sich an das vergangene Jahr oder einen anderen klar benannten Zeitraum. Denken Sie an Weiterbildungen, gelesene Texte, praktische Übungen, Rückmeldungen und Situationen, aus denen Sie etwas gelernt haben. Schreiben Sie jeweils eine Idee, Fähigkeit oder Frage auf einen Klebezettel.

  • Welche Methoden, Theorien und Modelle habe ich kennengelernt?
  • Was habe ich über die Gestaltung eines Coaching-Prozesses gelernt?
  • Welche Fähigkeiten habe ich tatsächlich angewendet?
  • Wie haben sich meine Haltung, Erwartungen oder Bewertungen verändert?
  • Wo kenne ich inzwischen meine Grenzen besser?

Formulieren Sie möglichst konkret. „Gesprächsführung“ ist breit; „vor einem Vorschlag zuerst den Auftrag in den Worten des Coachees zusammenfassen“ beschreibt eine beobachtbare Handlung. Trennen Sie Wissen über eine Methode von Erfahrung in ihrer Anwendung.

2. Sortieren: Was steht mir bereits zur Verfügung?

Ordnen Sie die Zettel den vier Bereichen zu. Je näher eine Notiz am Zentrum liegt, desto stärker gehört das Thema aus Ihrer Sicht bereits zu Ihrer praktischen Arbeit und professionellen Haltung. Weiter außen stehen beispielsweise neue Ideen oder Fähigkeiten, die Sie noch mit Unterstützung erproben möchten.

Prüfen Sie die Nähe zum Zentrum an einem Beispiel: „Wann habe ich das zuletzt eingesetzt? Was gelang dabei? Welche Rückmeldung habe ich erhalten?“ Wenn Sie bisher nur darüber gelesen haben, notieren Sie das. Ein unbekanntes Thema am Rand ist kein persönlicher Mangel; es kennzeichnet einen möglichen Lernbereich. Die Abstände sind keine objektive Messskala.

3. Wertschätzen und einen Schwerpunkt wählen

Betrachten Sie zunächst, was schon gewachsen ist. Welche Fortschritte möchten Sie anerkennen? Welche Erfahrung hat Ihnen besonders geholfen? Lassen Sie diesen Rückblick zu, bevor Sie neue Anforderungen an sich stellen.

Wählen Sie anschließend eine Notiz, die Sie näher an das Zentrum bringen möchten. Fragen Sie: „Warum ist dieses Thema jetzt wichtig? Welche Übung, Rückmeldung oder fachliche Unterstützung brauche ich dafür?“ Legen Sie eine konkrete Lernhandlung fest und vereinbaren Sie einen Zeitpunkt, zu dem Sie auf die Erfahrung zurückblicken. Eine ausführliche Anleitung bietet die Transfersicherung im Coaching.

4. Austauschen: Anregungen prüfen

Wenn Sie mit anderen lernen, stellen Sie sich Ihre Übersichten gegenseitig vor. Teilen Sie nur Erfahrungen, die Sie in diesem Rahmen besprechen möchten. Vertrauliche Angaben über andere Personen gehören nicht auf die gemeinsame Übersicht.

  • Welche Idee einer anderen Person regt mich an?
  • Was möchte ich über deren Lernweg erfahren?
  • Welche Anregung passt zu meinem eigenen Schwerpunkt?
  • Welche Unterstützung könnte ich anbieten oder erfragen?

Ergänzen Sie Ihre Notizen bei Bedarf. Die Übersicht anderer ist kein Maßstab, dem Sie entsprechen müssen. Wenn Sie eine Übung gemeinsam beobachten und besprechen möchten, kann ein reflektierendes Team einen passenden Rahmen bieten.

Fiktives Beispiel: Von der Idee zur Anwendung

Eine Person in einer Coaching-Weiterbildung legt „Auftrag klären“ zunächst weit außen in den Bereich Prozess. Sie kennt die Fragen, wechselt in Übungen aber oft zu früh zu Lösungsvorschlägen. Ihr nächster Schritt: In zwei vereinbarten Übungsgesprächen fasst sie den Auftrag zusammen und fragt nach, bevor sie eine Methode anbietet. Eine beobachtende Person gibt anschließend Rückmeldung zu genau diesem Schritt.

Beim Rückblick notiert sie, was gelang und wo sie noch Unterstützung braucht. Ob der Zettel nun näher am Zentrum liegt, entscheidet sie begründet anhand dieser Erfahrungen. Die Bewegung des Zettels allein belegt keine Kompetenzentwicklung.

Die Übersicht weiterverwenden

Bewahren Sie die Übersicht auf und ergänzen Sie sie. Ein Foto mit Datum kann den damaligen Stand festhalten. Bei einem späteren Rückblick vergleichen Sie die Anordnungen: Was ist vertrauter geworden? Welche neue Frage kam hinzu? Was möchten Sie anders einordnen?

Sie können auch zwei Ansichten erstellen: den aktuellen Stand und eine gewünschte Entwicklung nach einer Weiterbildung, in einem Jahr, nach einer Beförderung oder einem Arbeitsplatzwechsel. Kennzeichnen Sie die zweite ausdrücklich als Wunschbild. Halten Sie bei Bedarf Zwischenschritte in eigenen Fotos fest und leiten Sie daraus konkrete Lernvorhaben ab.

Für andere Anliegen passen Sie Zentrum und Ecken gemeinsam an, etwa „Meine Entwicklung als Führungskraft“. Mögliche Bereiche wären dann Fachwissen, Arbeitsmethoden, Zusammenarbeit und eigene Haltung. Entscheidend ist, welche Unterscheidungen für die Person und ihren Auftrag hilfreich sind.

Notizvorlage für den nächsten Schritt

  • Mein Zeitraum und meine Leitfrage: …
  • Diese Erfahrung oder Fähigkeit möchte ich festhalten: …
  • So habe ich sie bereits angewendet; diese Rückmeldung liegt vor: …
  • Mein gewählter Entwicklungsschwerpunkt: …
  • Diese konkrete Lernhandlung probiere ich bis … aus: …
  • Diese Unterstützung oder Rückmeldung brauche ich: …
  • Am … prüfe ich, was sich verändert hat und was noch offen ist.

Häufige Fragen

Müssen alle vier Bereiche gleich voll sein?

Nein. Unterschiedliche Schwerpunkte können zur aktuellen Lernphase passen. Eine leere Ecke ist ein Anlass zum Nachdenken, keine automatische Schwäche.

Wie erkenne ich, ob ein Zettel näher ins Zentrum gehört?

Nennen Sie eine konkrete Anwendung und prüfen Sie, was Sie dabei selbstständig konnten und wobei Sie Hilfe brauchten. Beziehen Sie geeignete Rückmeldungen ein. Die Einordnung bleibt eine begründete Selbsteinschätzung.

Kann ich die Übung ohne Gruppe durchführen?

Ja. Sammeln, Sortieren und Lernplanung funktionieren auch allein. Sie können danach gezielt eine Rückmeldung zu einem ausgewählten Thema einholen, statt Ihre gesamte Übersicht zu teilen.

Weiterdenken.