Bei einer Schizophrenie kommt es zu massiven Fehlinterpretationen von Wahrnehmungen bis hin zu Halluzinationen. Dazu kommen emotionale, kognitive und motorische Defizite.

Schizophrenie zeichnet sich durch akute Episoden aus, in denen die Störung besonders stark zum Vorschein kommt. Diese Episoden werden auch als psychotische Episoden bezeichnet.

Oft wird auch der Begriff der Psychose gleichbedeutend mit Schizophrenie gebraucht. Genau genommen sind psychotische Störungen aber als schwere psychische Störungen definiert, bei denen der Bezug zur Realität verloren geht. Die Schizophrenie ist hier der wichtigste Vertreter.

In der Gesellschaft wird Schizophrenie oft als gespaltene oder multiple Persönlichkeit verstanden, vermutlich aufgrund der wörtlichen Bedeutung: ‚gespaltene Seele‘. Dementsprechend wird auch das Adjektiv schizophren in der Allgemeinsprache gerne synonym zu widersprüchlich oder ambivalent verwendet. In der klinischen Psychologie handelt es sich bei einer multiplen Persönlichkeitsstörung jedoch um eine völlig andere Krankheit.

Diagnostische Kriterien

Die Störung kann mit vielfältigen Symptomen einhergehen. Generell wird zwischen zwei Kategorien unterschieden: Positivsymptome zeichnen sich durch ein übersteigertes Erleben aus. Bei Negativsymptomen dagegen ist das normale Erleben eingeschränkt, was sich typischerweise als Verlust früherer Persönlichkeitsmerkmale äußert.

Positivsymptome

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  • Wahnideen treten bei etwa 80-90% der Betroffenen aus. Dabei werden Wahrnehmungen oder Erfahrungen fehlinterpretiert, woraus sich eine starke Überzeugung ergibt, die für andere unlogisch, widersprüchlich und nicht nachvollziehbar ist.

Häufige Wahnideen sind:

Beeinträchtigungswahn: Betroffene haben das Gefühl, dass Mitmenschen ihnen schaden wollen. Sie glauben etwa, ausgelacht und erniedrigt zu werden oder sogar, dass man sie verletzen oder umbringen will.

Verfolgungswahn: Die Betroffenen fühlen sich von geheimen Instanzen verfolgt und beobachtet, zum Beispiel von Aliens oder Geheimagenten.

Beziehungswahn: Die Person bezieht irrelevante Dinge und Ereignisse auf sich selbst. So kann sich etwa die Überzeugung ergeben, dass Autokennzeichen geheime Botschaften an den Betroffenen enthalten. Oft gehen diese Wahnideen mit Verfolgungswahn einher.

Größenwahn: Hier besteht das Empfinden, eine wichtige Persönlichkeit zu sein, bspw. ein Superheld, Prophet, Gott, Politiker etc.Das Gefühl, dass die Gedanken von außen beeinflusst werden, dass etwa Gedanken ‚eingepflanzt‘ werden (Gedankeneingebung) oder weggenommen werden (Gedankenentzug).

  • Halluzinationen werden von etwa 60% der Patienten erlebt. Dabei können alle Sinne (Hören, Sehen, Fühlen, Schmecken, Riechen) betroffen sein. Akustische Halluzinationen sind jedoch am häufigsten – meist hören die Betroffenen Stimmen, die ihnen Dinge befehlen, sie beleidigen oder ihre Handlungen auf andere Art kommentieren.

Negativsymptome

  • Emotionales Defizit: Dazu gehören Antriebslosigkeit, fehlende Zukunftsplanung oder Perspektivlosigkeit, die Betroffenen zeigen nur schwache oder eingeschränkte Emotionen. Manchmal kommt es auch zu vollständigen depressiven Episoden (siehe → affektive Störungen).
  • Kognitive Defizite: komplexe Zusammenhänge werden nicht mehr verstanden, die sprachlichen Fähigkeiten verschlechtern sich, abreißende Gedanken
  • Motorische Defizite: Reduzierte Mimik und Gestik. Dadurch erscheinen die Betroffenen oft abweisend oder kühl. Das kann es erschweren, emotionale und motorische Defizite zu differenzieren.

Während in den akuten psychotischen Episoden die Positivsymptome überwiegen, zeigen sich die Negativsymptome vor allem in der Zeit nach einer Episode. Die relativ normale Zeitspanne zwischen zwei Episoden wird auch Prodromalphase genannt. Hier treten eher unspezifische Symptome auf, zum Beispiel Ängste, Schlafstörungen oder Depression.

 

Nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch Experten verbinden Schizophrenie und andere psychotische Störungen oft mit Gewalttaten, insbesondere mit Tötungen. Umfassende Studien ergeben jedoch, dass sich ein erhöhtes Gewaltrisiko vor allem durch den Drogenmissbrauch ergibt, der oft mit Schizophrenie einhergeht. Dabei entspricht das Gewaltrisiko bei Drogenmissbrauch durch Schizophrenie-Patienten etwa dem Gewaltrisiko bei Drogensüchtigen ohne zusätzliche psychische Krankheiten.

Weitere Infos

Verbreitung: Bei etwa 1% aller Menschen (weltweit) tritt eine Schizophrenie im Laufe des Lebens auf. Interessanterweise unterscheidet sich diese Wahrscheinlichkeit nicht zwischen verschiedenen Ländern oder Kulturen.

Verlauf: Schizophrenie kann sehr unterschiedlich verlaufen. Während bei einigen Patienten die Zeit zwischen zwei Episoden völlig symptomfrei bleibt, zeigen andere dauerhaft Symptome einer akuten Episode (chronischer Verlauf). Bei einem Viertel der Betroffen bleibt es bei einer Episode, während der Rest mehrere Episoden im Laufe des Lebens durchmacht.

Typischerweise manifestiert sich die Störung im jungen Erwachsenenalter, bei Männern etwas früher (meist im Alter von 20-25) und bei Frauen etwas später (25-30).

Die Suizidrate beträgt 10-15% und liegt damit extrem hoch.

Schizotype und wahnhafte Störungen

Es gibt einige Störungen, die in dieselbe Gruppe psychischer Störungen fallen und hier kurz beschrieben werden sollen. Schizophrenie ist jedoch die häufigste und wichtigste der psychotischen Störungen.

Schizotypische Persönlichkeitsstörung

Hierbei liegt der Schwerpunkt mehr in einem Verhaltensdefizit bezüglich sozialer und zwischenmenschlicher Interaktion. Der Verlauf ist typischerweise chronisch. Es kann sich eine Schizophrenie daraus entwickeln, jedoch nicht notwendigerweise. Typische Symptome:

  • Absurdes, exzentrisches oder eigentümliches Verhalten (das bezieht sich auch auf das Sprechen, zum Beispiel umständliche Sprache)
  • Sozialer Rückzug
  • Paranoide Ideen, Misstrauen oder seltsame Glaubensinhalte (wahnähnlich, aber kein Wahn)
  • Zwanghaftes Grübeln
  • Störungen des Körpergefühls oder andere Illusionen

Isolierte Wahnstörung

Hierbei kommt es nur zu einer Wahnidee (siehe oben für Beispiele), nicht jedoch zu den anderen Symptomen einer Schizophrenie. Die Wahnthemen sind typischerweise weniger bizarr als bei Schizophrenen und erscheinen auf den ersten Blick sogar plausibel. Beispiele sind der Krankheitswahn, bei der Betroffene überzeugt sind, an einer bestimmten Krankheit zu leiden (ganz ähnlich der Hypochondrie) oder der Eifersuchtswahn, bei dem die Patienten von der Untreue ihres Partners überzeugt sind.

Weitere Störungen oder Krankheiten mit ähnlichen Symptomen

Ähnliche Symptome wie die Schizophrenie können auch die folgenden Erkrankungen hervorrufen:

  • Gehirntumore, Epilepsie, Schädel-Hirn-Trauma etc.
  • Depression und bipolare Störung mit psychotischen Symptomen
  • Demenz
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung
  • Vitamin-B12-Mangel

Wer schreibt hier?

Johannes ist Professor für Wirtschaftspsychologie in Stuttgart und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er schreibt auf ichraum.de zu den Themen Coaching, Führung und Psychologie.

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