Coaching-Konzept schreiben: Anleitung, Fragen und Beispiel
Entwickeln Sie Ihr Coaching-Konzept in fünf Schritten: mit Reflexionsfragen, schriftlichem Feedback, einem Beispiel und einem vollständigen Arbeitsblatt.

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Ein ausformuliertes Coaching-Konzept trägt dazu bei, dass Sie sich als Coach Ihrem eigenen Selbstverständnis und Ihrer Professionalität bewusst werden. Außerdem ist es die Grundlage für die Kommunikation mit Ihrer Kundschaft, zum Beispiel auf einer Homepage oder in einem Flyer.
Wofür brauchen Sie ein Coaching-Konzept?
Ein Coaching-Konzept können Sie nutzen, um Interessierten und Ihrer Kundschaft zu zeigen: So arbeite ich als Coach. Ziel Ihres Coaching-Konzeptes ist, Menschen die bis jetzt wenig oder gar nichts mit dem Thema Coaching zu tun hatten, zu informieren:
- Was verstehe ich unter Coaching?
- Wie arbeite ich als Coach?
- Worauf kommt es mir an?
Das hilft Ihrer Kundschaft zu entscheiden, ob das Angebot Coaching zu ihrem Anliegen passt und ob Sie als Coach die Richtige oder der Richtige sind. Umgekehrt hilft Ihnen das Coaching-Konzept, Menschen zu erreichen, die zu Ihrer Arbeitsweise, Ihrer Erfahrung und Ihrem Selbstverständnis passen.
Zusätzlich trägt die Arbeit an Ihrem Coaching-Konzept dazu bei, sich über die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen, Werthaltungen und Erwartungen sowie die eigene professionelle Ausrichtung klar zu werden. Ein Coaching-Konzept ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer beruflichen Identität als Coach.
Schreibwerkstatt: In fünf Schritten zum eigenen Coaching-Konzept
Planen Sie als praktischen Start etwa 60 bis 90 Minuten ein; für die Überarbeitung können Sie einen zweiten Termin vorsehen. Sie brauchen Papier oder ein Textdokument und möglichst eine Person für Rückmeldungen. Das Zeitfenster ist eine Arbeitshilfe, keine geprüfte Vorgabe. Ihr Ergebnis ist eine erste verständliche Fassung Ihres Angebots, kein Qualitätszertifikat.
Für die Arbeit an einem Coaching-Konzept brauchen Sie Zeit und Raum, sich zu konzentrieren. Eigene Ideen und Gedanken auf Papier zu bringen, bedeutet auch, sich festzulegen. Manchmal fällt das schwer – insbesondere wenn Sie sich gerade erst auf den Weg gemacht haben, Coaching auch als Profession zu verstehen.
In der Schreibwerkstatt gehen Sie deshalb die ersten Schritte auf dem Weg zu einem ausformulierten Coaching-Konzept. Ziel ist, Ihnen Lust zu machen, an Ihrem eigenen Coaching-Konzept weiterzudenken. Außerdem erhalten Sie direkt Rückmeldung von anderen und können Ideen und Anregungen aufgreifen und umsetzen.
1. Ein Bild der eigenen Arbeit entwickeln
Falls Sie bereits Notizen zu Ihrer Positionierung haben, lesen Sie diese erneut. Ansonsten beginnen Sie hier: Welches Bild steht für Ihre Coaching-Arbeit? Für wen möchten Sie arbeiten? Mit welchen drei Sätzen würden Sie Ihr Angebot vorstellen?
Lassen Sie sich von Ihren eigenen Ideen inspirieren und ein lebendiges Bild von sich selbst im Kopf entstehen:
- Wie ist es, wenn ich als Coach arbeite?
- Wo bin ich? Wie ist der Raum eingerichtet?
- Was sehe ich? Was höre ich? Was nehme ich sonst noch wahr?
- Wie nehme ich mich selbst wahr?
- Wie rede ich? Was sage ich?
- Wer sitzt vor mir? Welche Menschen sind das? Welche Anliegen haben sie?
- Wie verhalte ich mich? Wie sieht meine Arbeit von außen aus?
- Was tue ich, wenn ich Coach bin?
2. Stichworte in vier Bereichen sammeln
Jetzt geht es darum, Ihre Ideen auf Papier zu bringen. Schreiben Sie keine ausformulierten Sätze oder zusammenhängenden Texte. Sammeln Sie zunächst Stichworte und Begriffe, die Ihnen wichtig sind. Achten Sie auf Formulierungen, die Ihnen durch den Kopf gehen. Die folgenden Aspekte bieten eine Struktur:
Notieren Sie Stichworte zu den folgenden Fragen. Sie müssen nicht jede sofort beantworten; markieren Sie offene Punkte.
Definition und Abgrenzung
- Was verstehe ich unter Coaching?
- Habe ich eine Definition von Coaching?
- Welche Begriffe müssen in meiner Coaching-Definition vorkommen?
- Welche Ziele verfolge ich mit dem Coaching?
- Was möchte ich mit dem Coaching ermöglichen, und woran würde ich Fortschritte erkennen?
- Wovon grenze ich mich ab?
- Was ist Coaching nicht?
Kontext und Zielgruppe
- Wo möchte ich Coaching einsetzen?
- Welchen Kontext halte ich für ungeeignet?
- Welche Bedingungen für Erfolg von Coaching gibt es?
- Welche Zielgruppe spreche ich an?
- Wer gehört zu meiner Kundschaft?
- Welche Anfragen würde ich wegen fehlender Passung oder Kompetenz nicht übernehmen?
- Wann ist Coaching nicht sinnvoll?
- Auf welche Themen fokussiere ich im Coaching?
- Welche zeitlichen, räumlichen, finanziellen Aspekte sind mir wichtig?
Unterscheiden Sie bei Ihren Antworten zwischen einer persönlichen Arbeitsannahme, einer wissenschaftlich untersuchten Wirkung und einem konkreten Versprechen. Eine erhoffte Veränderung ist noch kein nachgewiesenes Ergebnis. Benennen Sie mögliche Belastungen, Grenzen und das Vorgehen, wenn die Zusammenarbeit nicht passt.
Methoden und Wirkung
- Welche Methoden setze ich ein?
- Wie arbeite ich?
- Welchen Nutzen hat der Coachee vom Coaching?
- Wie wirkt Coaching? Welche Wirkung ist nicht zu erwarten?
- Welche Nebenwirkungen gibt es?
- Welche Begriffe sind mir wichtig, um die Wirkung von Coaching zu beschreiben?
- Welche Veränderungen erwarte ich als Ergebnis des Coachings?
Ich als Person
- Welche persönlichen und fachlichen Voraussetzungen erfülle ich als Coach?
- Was kann ich gut?
- Bei welchen Themen brauche ich eine fachliche Kooperation?
- Welche Erfahrungen habe ich?
- Welches Menschen- und Weltbild ist für mich gültig?
- Welche Haltung nehme ich ein?
- Was erwarte ich von mir als Coach?
- Welche inhaltlichen Schwerpunkte habe ich?
- Was unterscheidet mich von anderen?
- Was erwarte ich von meinen Coachees?
- Was lehne ich ab?
Bleiben Sie nicht zu lange an einem Punkt. Es geht nicht darum, an alles zu denken, um am Ende ein perfektes Coaching-Konzept zu haben. Springen Sie zwischen den einzelnen Aspekten hin und her und notieren Sie, was Ihnen einfällt. Ziel ist, Ideen für einen ersten Entwurf zu sammeln, auf dessen Basis Sie dann weiterarbeiten können.
3. Schriftliches Feedback einholen
Jetzt holen Sie sich Feedback von anderen. Eine andere Person liest dazu Ihre Notizen und Ideen, und notiert (z.B. mit einer anderen Schriftfarbe) Fragen oder Anmerkungen. Weiterführende Ideen werden auf Klebezetteln ergänzt. Dann wechseln Sie wieder zu Ihren eigenen Notizen, und überlegen, welche Anregungen und Ideen Sie aufgreifen möchten.
Es ist spannend, zunächst nicht gemeinsam über die Notizen und Ideensammlung zu diskutieren, sondern sich auf Basis schriftlicher Kommunikation auszutauschen.
4. Einen ersten zusammenhängenden Text schreiben
Im nächsten Schritt beginnen Sie auf Basis Ihrer Notizen einen Text auszuformulieren. Entscheiden Sie zunächst, ob Sie sich an die vorgegebene Struktur halten möchten, oder zusätzliche oder andere Überschriften ergänzen möchten. Außerdem können Sie jetzt noch weitere formale Aspekte ergänzen, z.B. zu den Kosten für das Coaching, zu Ort oder Dauer des Coachings (siehe Coaching-Vertrag).
Oft ist es sinnvoll, einen begonnenen Text erst mal „ruhen“ zu lassen, wenn Sie nicht weiterkommen. Das kann neue Perspektiven eröffnen und das Weiterschreiben erleichtern.
5. Für die Zielgruppe überarbeiten und erneut testen
Jetzt überarbeiten Sie Ihren Text. Denken Sie an Ihre Zielgruppe.
- Ist der Text für Personen aus dieser Zielgruppe verständlich?
- Ist der Text ansprechend und gut zu lesen?
- Gibt es Begriffe oder Formulierungen, die unklar sein könnten?
- Welche Formulierungen und Begriffe würden Interessierte aus Ihrer Zielgruppe erwarten?
Folgende Punkte sollten Sie beachten:
- Verwenden Sie kurze und prägnante Formulierungen.
- Vermeiden Sie Substantivierungen, setzen Sie wo möglich auf Verben und schreiben Sie aktiv („Ich lade Sie ein.“ statt „Es wird eine Einladung ausgesprochen.“)
- Prüfen Sie Ihren Text auf Floskeln und Standardformulierungen sowie auf unnötige Füllwörter.
- Achten Sie darauf, dass Ihr Text aus einem Guss ist: Verwenden Sie Begriffe konsistent (Kundschaft – Coachees – Klientel).
Holen Sie sich Rückmeldung von anderen zu Ihrem Coaching-Konzept. Außerdem können Sie sich Gedanken über die Gestaltung des Textes z.B. mit Bildern, Grafiken oder Farben machen.
Planen Sie ausdrücklich Zeit für die Überarbeitung ein. Ihre erste Version muss nicht perfekt sein. Setzen Sie einen Termin für die nächste Durchsicht und prüfen Sie Ihr Konzept erneut, wenn sich Angebot oder Erfahrung verändern.
Fiktives Beispiel: Aus Stichworten wird ein verständliches Angebot
Eine Coachin möchte Menschen beim Einstieg in eine Führungsrolle begleiten. Ihre ersten Stichworte lauten: Rollenklärung, zuhören, schwierige Gespräche, kleine Schritte und klare Grenzen. Daraus formuliert sie folgenden Beispieltext:
„Ich begleite Menschen, die neu eine Teamleitung übernehmen und ihre Rolle klären möchten. Wir besprechen eine konkrete Situation aus Ihrem Arbeitsalltag, betrachten unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten und planen einen nächsten Schritt. Je nach Anliegen arbeiten wir mit Reflexionsfragen, einer Übersicht Ihrer Aufgaben oder einer Gesprächsprobe. Sie entscheiden, welche Schritte Sie ausprobieren. Beim nächsten Termin prüfen wir gemeinsam, was hilfreich war und was angepasst werden muss. Ich verspreche keinen bestimmten Führungserfolg. Vor Beginn klären wir Anliegen, Zuständigkeiten, Vertraulichkeit, Termine und Honorar. Wenn Ihr Anliegen außerhalb meiner Kompetenz liegt, spreche ich das an und wir prüfen eine geeignete andere Unterstützung.“
Für ein tatsächliches Konzept fehlen noch überprüfbare Angaben zu Qualifikation, Berufserfahrung, Format, Dauer und Kosten. Ergänzen Sie nur, was für Sie wirklich zutrifft. Der Beispieltext ist keine Vorlage für erfundene Erfahrung oder Referenzen.
Arbeitsblatt: Mein Konzept auf einer Seite
Kopieren Sie die folgenden Satzanfänge in Ihr Dokument. Formulieren Sie zunächst je ein bis drei Sätze und prüfen Sie anschließend, ob sie zusammenpassen.
- Mein Coaching-Verständnis: Unter Coaching verstehe ich … Davon grenze ich … ab.
- Meine Zielgruppe: Ich arbeite mit … bei Anliegen wie … Nicht passend sind Anfragen, bei denen …
- Meine Arbeitsweise: Zu Beginn … Im weiteren Prozess … Den Nutzen prüfen wir daran, dass …
- Meine Methoden und Grenzen: Ich nutze …, weil … Diese Vorgehensweise kann … unterstützen; sie garantiert nicht … Auf mögliche Belastungen reagiere ich mit …
- Meine Person und Haltung: Ich bringe folgende belegbare Qualifikationen und Erfahrungen mit: … Mir ist wichtig … Unterstützung oder Kooperation brauche ich bei …
- Der Rahmen: Das Coaching findet … statt. Dauer, Honorar und Absprachen klären wir … Mit Vertraulichkeit und möglichen Auftraggebenden gehen wir … um.
- Mein nächster Schritt: Bis … bitte ich … um Rückmeldung. Dabei möchte ich besonders wissen, ob …
Bitten Sie Ihre Testperson anschließend, in eigenen Worten zu sagen, für wen das Angebot gedacht ist, wie Sie arbeiten und wo Ihre Grenzen liegen. Vergleichen Sie diese Zusammenfassung mit Ihrer Absicht. Ändern Sie die Stellen, die missverstanden wurden. Wenn Sie allein arbeiten, legen Sie den Text zunächst beiseite und lesen ihn später aus Sicht einer Person ohne Coaching-Vorkenntnisse.
Was ein Coaching-Konzept leisten kann – und was nicht
Ein Konzept macht die eigene Arbeitsweise überprüfbar und besprechbar. Es ersetzt weder fachliche Qualifikation noch die Klärung eines konkreten Auftrags. Der österreichische Coaching-Dachverband nennt in seinen Anforderungen unter anderem Coaching-Verständnis, Methoden, Rahmen, Angebot und Haltung. Das sind professionelle Orientierungskriterien, kein experimenteller Nachweis für die Wirksamkeit dieser Schreibübung.
Auch der Begriff Coaching braucht einen klaren Kontext: Der DBVC beschreibt ihn vor allem für berufliche Anliegen und Personen mit Führungs-, Steuerungs- oder Expertenaufgaben. Wenn Sie ein anderes Feld bearbeiten, benennen Sie dieses ausdrücklich. Eine Beschreibung Ihrer Haltung ist kein Beleg dafür, dass jede Methode für jede Person geeignet ist.
Beschreiben Sie im Konzept auch, wann Sie einen Auftrag ablehnen oder weiterverweisen. Coaching ist kein Ersatz für eine erforderliche medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Veröffentlichen Sie keine Heilungsversprechen. Bei Beispielfällen schützen Sie die Vertraulichkeit; für die eigene Schreibwerkstatt eignen sich erfundene Fälle.
Häufige Fragen zum Coaching-Konzept
Wie lang sollte mein Coaching-Konzept sein?
Für einen ersten Entwurf ist eine Seite ein handhabbares Arbeitsziel. Eine ausführliche fachliche Fassung kann länger sein. Entscheidend ist, dass Zielgruppe, Arbeitsweise, Qualifikation, Rahmen und Grenzen verständlich werden. Passen Sie eine öffentliche Kurzfassung an den jeweiligen Ort an, etwa Ihre Website oder ein Informationsblatt.
Brauche ich schon viel Berufserfahrung?
Sie können bereits während Ihrer Entwicklung als Coach damit beginnen. Trennen Sie vorhandene Kompetenzen von Lernzielen. Beschreiben Sie Berufserfahrung und Qualifikationen wahrheitsgemäß und machen Sie sichtbar, bei welchen Anliegen Sie Unterstützung, Supervision oder Kooperation benötigen.
Muss ich alle Fragen beantworten?
Nutzen Sie die Fragen zunächst zur Sammlung. Nicht jede Antwort gehört in die öffentliche Fassung. Offene fachliche Fragen sollten Sie jedoch klären, bevor Sie eine entsprechende Leistung anbieten. Die Fragen sind keine Skala und ergeben keinen Qualitätswert.
Ist das Coaching-Konzept zugleich ein Coaching-Vertrag?
Nein. Das Konzept beschreibt Ihr allgemeines Angebot und Selbstverständnis. Im konkreten Auftrag müssen die Beteiligten passende Vereinbarungen treffen. Der Leitfaden zum Coaching-Vertrag hilft bei der Vorbereitung.
Wie entwickle ich mein Konzept weiter?
Prüfen Sie nach ersten praktischen Erfahrungen, ob Beschreibung und tatsächliche Arbeit übereinstimmen. Nutzen Sie Rückmeldungen, kollegialen Austausch und Ihre Bestandsaufnahme zur Entwicklung als Coach. Für die Beschreibung Ihres Ablaufs hilft der Überblick zum Coaching-Prozess.
Quellen und Einordnung
- Österreichischer Dachverband für Coaching: Anforderungen an ein Coaching-Konzept. Berufliche Orientierung zu Inhalt und Schlüssigkeit eines Konzepts.
- Deutscher Bundesverband Coaching: Begriffsbestimmungen. Verbandsverständnis und berufliche Anwendungsbereiche.
Die Schreibwerkstatt, die Zeitplanung und das Arbeitsblatt sind praktische Reflexionshilfen. Für diese konkrete Abfolge wird keine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung behauptet.
Weiterdenken.
Emotionen wahrnehmen: Gefühle verstehen und im Alltag erkunden
Gefühle, Körperreaktionen, Gedanken und Verhalten unterscheiden: mit persönlicher Reflexion und einer vollständigen Partnerübung für zwei Alltagssituationen.
Handlungswirksame Ziele: Drei Kriterien und ein Ideenkorb
Zielsätze mit drei Fragen prüfen: erwünschte Richtung, eigener Einflussbereich und persönliche Stimmigkeit. Mit Ideenkorb, Beispiel und vollständigem Arbeitsblatt.
Zeitperspektiven im Coaching: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Zeitperspektiven verstehen und im Coaching nutzen: mit Reflexionsfragen, einer vollständigen Zeitlinien-Übung und einem Beispiel für den Perspektivwechsel.
