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Coaching

Meine Gebrauchsanleitung als Coach: Rollen und Zusammenarbeit klären

15 Satzanfänge für Ihre persönliche Gebrauchsanleitung als Coach: mit Partnerübung, Rollenwechsel, Prozessreflexion, Beispiel und Notizvorlage.

Zwei gepolsterte Holzstühle und ein kleiner roter Tisch in einem hellen Raum.

Foto: Lisa Anna / Unsplash.

Was brauchen Sie für eine gute Zusammenarbeit? Wofür übernehmen Sie als Coach Verantwortung, und wie sprechen Sie Unklarheiten an? Eine persönliche Gebrauchsanleitung macht solche Erwartungen zum Gesprächsthema. Die Metapher meint keine Bedienungsanweisung für einen Menschen, sondern eine Einladung, den eigenen Stil und die gegenseitigen Rollen zu klären.

Die Übung richtet den Blick auf Kompetenzen, Ressourcen und Bedingungen, unter denen Sie professionell arbeiten können. Sie können sie in einer Weiterbildung, einer Übungsgruppe, in Supervision oder zu Beginn eines Coachings einsetzen. Wählen Sie die Fragen passend zum Auftrag, zum Kontext und zu den beteiligten Personen aus.

Die Idee: Über die Zusammenarbeit sprechen

Im Coaching sprechen Sie nicht nur über ein Anliegen, sondern vereinbaren auch, wie Sie miteinander arbeiten möchten. Das ist Meta-Kommunikation: Erwartungen, Grenzen und Vorgehensweisen werden ausdrücklich angesprochen. Die Gebrauchsanleitung ist dafür ein praktischer Gesprächsrahmen. Sie garantiert weder gegenseitiges Verständnis noch einen erfolgreichen Coaching-Prozess.

Die Übung steht in der Tradition von Bernd Schmid und Marc Minor am isb. Helena und Thorsten Veith beschreiben eine entsprechende Variante im Kapitel „Rollenkompetenz als Coach – weit mehr als Handwerkszeug“ (2014). Hier geht es um eine angepasste Reflexionsübung, nicht um einen Persönlichkeitstest oder ein standardisiertes Messverfahren.

Vorbereitung: Einen respektvollen Rahmen vereinbaren

Arbeiten Sie zu zweit. Als praktische Zeitplanung können Sie etwa fünf Minuten für die Vorbereitung, je zehn Minuten pro Person und fünf Minuten für die Auswertung vorsehen. Verlängern oder verkürzen Sie den Rahmen nach Bedarf. Papier und Stift genügen.

Vereinbaren Sie, dass beide nur mitteilen, was sie in diesem Rahmen besprechen möchten. Fragen dürfen ausgelassen oder umformuliert werden. Hören Sie zu, ohne die andere Person zu bewerten oder aus ihren Antworten eine Diagnose abzuleiten. Notizen bleiben bei der jeweiligen Person, sofern Sie nichts anderes vereinbaren. Vertrauliche Angaben über Dritte gehören nicht in die Übung.

1. Die eigene Gebrauchsanleitung formulieren

Person A beginnt. Ergänzen Sie die folgenden Satzanfänge aus Ihrer tatsächlichen Erfahrung als Coach. Wenn Sie noch wenig Praxiserfahrung haben, unterscheiden Sie ausdrücklich zwischen Erfahrung und einem Vorhaben. Sie können einzelne Sätze auswählen, alle bearbeiten oder eigene ergänzen.

  1. Damit unsere Zusammenarbeit gut und erfolgreich ist, brauche ich …
  2. Damit ich Sie verstehe, brauche ich von Ihnen …
  3. Meine Rolle als Coach verstehe ich als …
  4. Ihre Rolle verstehe ich als …
  5. Mich, meine Persönlichkeit, meinen Charakter und meinen Stil würde ich so beschreiben …
  6. Ich bin dann gut, wenn …
  7. Dass unsere Kommunikation erfolgreich ist, erkenne ich an …
  8. Ich übernehme Verantwortung für …
  9. Keine Verantwortung übernehme ich für …
  10. Sie übernehmen Verantwortung für …
  11. Ich sorge für mich beziehungsweise für Sie, indem …
  12. Wenn ich …, dann meine ich damit …
  13. Wenn Sie … erreichen möchten, dann kann ich …
  14. Wenn ich eine Frage habe, dann …
  15. Wenn ich mit … nicht zurechtkomme, dann sorge ich für mich, indem …

Formulieren Sie konkret: Eine beobachtbare Handlung ist leichter zu besprechen als „Ich bin offen“. Zum Beispiel: „Wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich nach und fasse anschließend zusammen, was ich verstanden habe.“ Bei „Ich bin dann gut“ geht es um passende Arbeitsbedingungen und nutzbare Fähigkeiten, nicht um Ihren Wert als Person.

Die Sätze über die Rolle und Verantwortung der anderen Person sind zunächst Ihre Erwartungen. Prüfen Sie diese gemeinsam: „Ist das auch Ihr Verständnis? Was sehen Sie anders?“ Sie können der anderen Person keine Verantwortung einseitig zuweisen. Ebenso entbindet der Satz „Keine Verantwortung übernehme ich für …“ Sie nicht von Ihrer Verantwortung für fachlich angemessenes Handeln. Unterscheiden Sie beispielsweise zwischen Ihrer Prozessgestaltung und den Entscheidungen, die ein Coachee selbst trifft.

Die zuhörende Person

Person B hört zu, fragt bei Unklarheiten nach und nimmt eigene Gefühle, Bilder und Eindrücke wahr. Solche Eindrücke sind subjektive Reaktionen, keine sicheren Aussagen über Person A. Würdigen Sie, was Sie nachvollziehen können, und fragen Sie offen nach, wenn etwas nicht passt.

  • „Wie würde ich das in einem Gespräch konkret bemerken?“
  • „Was brauchen Sie dann von mir, und was kann ich tatsächlich anbieten?“
  • „Ich verstehe Ihre Aussage bisher so: … Trifft das zu?“

2. Die Rollen wechseln

Nun spricht Person B über den eigenen Stil und die eigene Rolle; Person A hört zu und fragt nach. Es geht um einen Wechsel zwischen Sprechen und Zuhören. Die Antworten müssen weder gleich sein noch sich gegenseitig bestätigen. Halten Sie Unterschiede fest, die für Ihre Zusammenarbeit geklärt werden sollten.

3. Prozess und Methode reflektieren

Tauschen Sie sich anschließend darüber aus, wie Sie die Übung erlebt haben. Sie können dafür diese Fragen nutzen:

  • Was habe ich über meine Ressourcen, Arbeitsweise und Bedürfnisse erkannt?
  • Welche Aussage der anderen Person hat mir geholfen, ihren Stil zu verstehen?
  • Wo habe ich vorschnell etwas angenommen oder etwas anderes verstanden?
  • Welche Erwartungen passen zusammen, welche bleiben offen?
  • Wie war der Wechsel zwischen Sprechen und Zuhören?
  • Welche Formulierung war hilfreich, welche würde ich anpassen oder weglassen?
  • Welche konkrete Vereinbarung wollen wir im nächsten Gespräch ausprobieren?

Notieren Sie zum Abschluss eine verabredete Handlung und einen Zeitpunkt für die Überprüfung. Zum Beispiel: „Wir fragen nach, sobald eine Aufgabe unklar ist, und prüfen am Ende des nächsten Gesprächs, ob das gelungen ist.“ Eine freundliche Gesprächsatmosphäre allein belegt noch keine geklärte Vereinbarung.

Fiktives Beispiel: Schweigen verständlich machen

Ein Coach ergänzt: „Wenn ich nach Ihrer Antwort kurz schweige, dann meine ich damit, dass ich nachdenke. Ich möchte Sie damit nicht bewerten. Wenn die Pause für Sie unklar ist, können Sie mich darauf ansprechen.“ Die andere Person antwortet: „Längere Pausen machen mich manchmal unsicher. Mir hilft ein kurzer Hinweis, dass Sie gerade überlegen.“

Beide vereinbaren, längere Denkpausen anzukündigen. In der Auswertung fragt der Coach, ob der Hinweis hilfreich war. Die Vereinbarung bleibt veränderbar; der Coach kann nicht voraussetzen, dass Schweigen für jede Person dieselbe Bedeutung hat.

Varianten für unterschiedliche Situationen

Zu Beginn eines Coachings

Wählen Sie wenige passende Impulse, etwa Rollen, Verantwortung, Nachfragen und den Umgang mit Schwierigkeiten. Laden Sie den Coachee ein, eigene Erwartungen zu ergänzen. Die Übung unterstützt das Gespräch über die Zusammenarbeit, ersetzt aber keine vollständige Auftragsklärung oder notwendige Rahmenvereinbarungen.

In Weiterbildung, Übungsgruppe oder Supervision

Beziehen Sie die Satzanfänge auf Ihre Lernpartnerschaft: „Damit ich eine Rückmeldung nutzen kann, brauche ich …“ oder „Wenn ich in einer Übung unsicher werde, dann …“. Bei einem Wechsel der Partnerperson beginnen Sie erneut mit einer kurzen Rahmenklärung. Vergleichen Sie anschließend, welche Aussagen in beiden Gesprächen stimmig waren und welche vom Gegenüber oder vom Kontext abhingen.

Als Einzelvorbereitung

Schreiben Sie zunächst allein eine Auswahl von Antworten auf. Markieren Sie Aussagen, die Sie mit einer anderen Person abstimmen möchten. Die Einzelarbeit kann Ihre Sicht klären; das wechselseitige Verständnis lässt sich erst im tatsächlichen Gespräch prüfen.

Notizvorlage für den Alltag

  • Meine Rolle in diesem konkreten Kontext: …
  • Diese Fähigkeit oder Ressource bringe ich ein: …
  • Diese Bedingung brauche ich für meine Arbeit: …
  • Diesen Punkt muss ich mit der anderen Person klären: …
  • Bei Unklarheit oder Überforderung sage beziehungsweise tue ich: …
  • Das haben wir ausdrücklich vereinbart: …
  • Am … prüfen wir die Vereinbarung und passen sie bei Bedarf an.

Häufige Fragen

Muss ich alle 15 Satzanfänge nutzen?

Nein. Die Liste ist ein Angebot. Nutzen Sie die passenden Impulse und ergänzen Sie eigene. Vollständiges Ausfüllen ist kein Zeichen für höhere Kompetenz.

Was mache ich bei unterschiedlichen Erwartungen?

Benennen Sie den Unterschied und klären Sie, was verhandelbar ist. Halten Sie fest, was Sie anbieten können und wo Ihre Grenzen liegen. Wenn grundlegende Erwartungen nicht zusammenpassen, braucht es eine andere Vereinbarung oder gegebenenfalls eine andere Unterstützung.

Ist die Gebrauchsanleitung ein Coaching-Konzept?

Sie ist zunächst ein Gespräch über eine konkrete Zusammenarbeit. Ein Coaching-Konzept beschreibt Ihr Angebot und Selbstverständnis umfassender. Erkenntnisse aus dem Gespräch können Ihnen helfen, dieses Konzept zu präzisieren.

Wie wissenschaftlich ist die Übung?

Sie ist eine praktische Methode zur Rollenklärung. Die angeführte Methodenbeschreibung begründet keinen empirisch gesicherten Wirksamkeitsnachweis für diese konkrete Abfolge. Nutzen Sie die Antworten als Gesprächsanlass und überprüfen Sie Vereinbarungen an der Zusammenarbeit.

Herkunft und weiterführende Literatur

Die Übungsidee geht auf Bernd Schmid und Marc Minor am isb zurück. Veith, Helena & Veith, Thorsten (2014): Rollenkompetenz als Coach – weit mehr als Handwerkszeug. In: Ryba, A., Pauw, D., Ginati, D. & Rietmann, S. (Hrsg.), Professionell coachen – Das Methodenbuch, S. 53–69. Weinheim: Beltz. Die Gebrauchsanleitung wird dort auf S. 65–66 beschrieben; zugänglich in der Leseprobe zum Buchteil Coachingkompetenzen. Das Beispiel, die Reflexionsfragen und die Notizvorlage sind praktische Ergänzungen.

Weiterdenken.