Wie funktioniert die Frequenzillusion?

In diesem Beitrag erkläre ich die Frequenzillusion. Damit gemeint ist: Ein Wort, ein Name oder etwas anders, das Ihnen in letzter Zeit aufgefallen ist oder das Sie gelernt haben, taucht danach scheinbar überall auf.

Ein Beispiel zum Einstieg

Stellen Sie sich vor, Sie wollen sich eine neue Jacke kaufen. Sie ziehen durch die Läden, schauen sich ein paar Angebote an und entscheiden sich schließlich für eine Markenjacke, die eigentlich ihr Budget sprengt. Weil Sie einfach genial aussieht, müssen Sie die Jacke einfach haben. Denn so eine schicke Jacke, hatten Sie selten.

Und dann: Einige Zeit später, sehen Sie jemand, der die gleiche Jacke trägt. Und dann noch jemand. Irgendwie scheint das gerade eine angesagte Marke zu sein – obwohl die Ihnen vorher gar nicht bekannt war.

Das ist die Frequenzillusion

Was gerade wichtig ist, womit ich beschäftigt habe, worüber ich mit anderen gesprochen habe, scheint auf einmal überall wiederaufzutauchen.

Dieses Phänomen wird durch zwei Prozesse verursacht; der erste ist die „selektive Aufmerksamkeit“. Weil Sie gerade zum ersten Mal auf etwas gestoßen sind, oder sich intensiv mit einem bestimmten Thema oder Aspekte beschäftigt haben, achten Sie verstärkt darauf. Ihre Aufmerksamkeit nimmt Dinge eher wahr, die gerade wichtig für Sie sind.

Wer schwanger ist, sieht auf einmal überall andere Schwangere. Wer sich gerade ein Cabrio gekauft hat, dem fällt auf, wieviele Cabrios es gibt.

Der zweite Prozess ist der „Confirmation Bias“. Damit gemeint ist: Sie achten eher auf Informationen, die ihr vorhandenen Überzeugungen bestätigen als auf solche Informationen, die Ihren Überzeugungen wiedersprechen.

Wenn ich glaube, dass eine Marke gerade angesagt ist, finde ich auch überall Hinweise, die meine Annahme bestätigen.

Prof. Dr. Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk ist promovierter Diplom-Psychologe und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen und hat eine Professur für Psychology and Management an der International School of Management in Frankfurt und Stuttgart. Johannes Moskaliuk hat das Konzept des ich.raum Coaching entwickelt, dass Theorien und Methoden aus unterschiedlichen Coaching-Traditionen verbindet.