Tipps für die Bewerbung von partyschreck82

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Der erste Eindruck zählt, und manchmal kommt es dabei auf 10 Sekunden an. Denn Personalverantwortliche, die viele Bewerbungen sichten, müssen schnell entscheiden, ob Wissen, Fähigkeiten und andere Eigenschaften zum Unternehmen und zur ausgeschriebenen Stelle passen, und ob es sich lohnt, eine Bewerbung genauer anzuschauen.

Kein Wunder, dass es zahlreiche Tipps für die Bewerbung gibt, wie diese gestaltet sein sollte, damit sie nicht sofort zur Seite gelegt wird. Das Ziel ist: Der erste Eindruck sollte positiv sein. Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Cyberpsychology, Behavior and Social Networking hat jetzt einen Aspekt genauer untersucht: Welche Rolle spielt die E-Mail-Adresse, die ein Bewerber oder eine Bewerberin auf der Bewerbung angibt.

Die Hypothese der ForscherInnen: Eine formale E-Mail-Adresse (sannejong@…), die den echten Namen enthält, lässt die Bewerbung in besserem Licht erscheinen, verglichen mit einer informellen E-Mail-Adressen (luv_u_sanne@…), die Nick-Namen oder Phantasienamen enthalten. Personalverantwortliche sollten Bewerbungen mit formalen E-Mail-Adressen als positiver bewerten, und angeben, dass sie diese Bewerberinnen und Bewerber mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem Bewerbungsgespräch einladen werden.

Um diese Hypothese zu untersuchen haben die ForscherInnen eine Reihe von fiktiven Lebensläufen erstellt. Die Lebensläufe waren inhaltlich vergleichbar und unterschieden sich nur in drei Aspekten:

  • Welche Schriftart wurde verwendet (Arial vs. Times New Roman)?
  • Wie viele Schreibfehler enthielt die Bewerbung (keine vs. fünf Fehler)?
  • Welche E-Mail-Adresse wurde verwendet (formal vs. informell)?

Dann wurden Personalverantwortliche gebeten, die Bewerbungen zu bewerten.

Wie erwartet zeigte sich der Effekt: Bewerbungen, auf denen eine formale E-Mail-Adresse angegeben war, wurden positiver bewertet, als solche mit einer informellen E-Mail-Adresse. Was ich verblüffend finde: Dieser Effekt war genauso hoch, wie der Einfluss der Rechtschreibfehler. Es ist also „genauso schlecht“ für den ersten Eindruck, eine Bewerbung mit Rechtschreibfehlern zu versenden, wie eine unpassende E-Mail-Adresse zu verwenden.

Bewerberinnen und Bewerbern, die ihren richtigen Namen in der E-Mail-Adresse verwenden, wird ein höheres Maß an Gewissenhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit unterstellt. Das wirkt sich positiv auf die Bewertung aus, ob eine Person zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden sollte.

Dieses Ergebnis passt zu ähnlichen Studien, die untersuchen, welche Rolle Nick-Namen und E-Mail-Adressen spielen, wenn es um Rückschlüsse auf den Charakter einer Person geht. Einer Person, die eine ungewöhnliche E-Mail-Adresse nutzt wird als weniger angepasst und eher narzisstisch einstuft – im Bezug auf eine Bewerbung kann sich das zum Nachteil entwickeln.

Die Ergebnisse zur Schriftart in dieser Studie bestätigen vorherige Befunde. Die Schriftart Arial führt zu einem leichten Vorteil gegenüber der Schriftart Times New Roman. Ein Grund scheint zu sein, dass Arial auf Computerbildschirmen besser zu lesen ist. Der Effekt ist aber im Vergleich zur E-Mail-Adresse und den Rechtschreibfehlern kleiner.

Aus methodischer Sicht gibt es eine Reihe von Einschränkungen. So wurden die Personalverantwortlichen gebeten, zunächst die Intelligenz und die Persönlichkeit der Bewerberinnen und Bewerber zu bewerten, und dann erst zu entscheiden, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie diese zu einem Gespräch einladen würden. Welche weiteren Prozesse im Bezug auf die Bewertung hier eine Rolle spielen, wurde in der Studie nicht untersucht. Eine weitere Einschränkung könnte sein, dass es sich um eine spezifische Stichprobe aus den Niederlanden handelte, bei der ausgeschriebenen Stelle handelt es sich um eine Stelle im Personalbereich. Möglicherweise sehen die Ergebnisse in anderen kulturellen Kontexten oder bei einem anderen Aufgabenbereich anders aus.

Dennoch zeigt die Studie: Bei einer Bewerbung kommt es auf Kleinigkeiten an, wenn es darum geht, den ersten Eindruck positiv zu gestalten. Informelle E-Mail-Adressen können zusätzliche Informationen enthalten (über Interessen, Persönlichkeit und Identität), die sich möglicherweise hinderlich auswirken.

Folgende Tipps für die Bewerbung ergeben sich aus der Studie:

  • Verwenden Sie bei Ihrer Bewerbung eine formale E-Mail-Adresse, die Ihren echten Namen enthält.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Bewerbung keine Rechtschreibfehler enthält.
  • Verwenden Sie keine außergewöhnlichen Schriftarten. Mit Arial sind Sie auf der sicheren Seite.

van Toorenburg, M., Oostrom, J., & Pollet, T. (2015). What a Difference Your E-Mail Makes: Effects of Informal E-Mail Addresses in Online Résumé Screening Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, 18 (3), 135-140 DOI: 10.1089/cyber.2014.0542

Prof. Dr. Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk ist promovierter Diplom-Psychologe und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen und hat eine Professur für Psychology and Management an der International School of Management in Frankfurt und Stuttgart. Johannes Moskaliuk hat das Konzept des ich.raum Coaching entwickelt, dass Theorien und Methoden aus unterschiedlichen Coaching-Traditionen verbindet.