SMART-Ziele formulieren: Persönliche Ziele klären und konkret planen
Persönliche Ziele sammeln, mit 16 SMART-Fragen konkretisieren und umsetzen: vollständige Coaching-Übung, Zielkarte und Grenzen der Methode.

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SMART hilft, aus einem ausgewählten Anliegen ein überprüfbares Ziel zu formulieren. Die fünf Kriterien ersetzen weder die Entscheidung, welches Ziel Ihnen wichtig ist, noch die Suche nach einer passenden Strategie. Hier finden Sie eine Übung zum Sammeln persönlicher Ziele, einen vollständigen SMART-Leitfaden und eine Anleitung für die Arbeit zu zweit.
Was SMART bedeutet
In der hier verwendeten Variante steht SMART für spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Ein Ziel beschreibt möglichst klar das gewünschte Ergebnis und die Bedingungen, unter denen Sie es erreichen möchten. Messbar bedeutet dabei auch: An geeigneten Beobachtungen erkennen können, ob sich etwas verändert hat. Nicht jedes sinnvolle Anliegen braucht eine Kennzahl.
Die Buchstaben werden unterschiedlich aufgelöst. George T. Doran beschrieb 1981 eine Management-Merkhilfe mit „assignable“, also klarer Zuständigkeit, anstelle von „attraktiv“. SMART stammt somit nicht von Locke und Latham. Deren Zielsetzungstheorie untersucht Bedingungen der Zielwirkung und bietet eine eigenständige wissenschaftliche Grundlage für Fragen nach Klarheit, Schwierigkeit und Umsetzung. Eine Merkhilfe ist jedoch kein vollständiges Abbild dieser Theorie.
Übung: Meine persönlichen Ziele sammeln und auswählen
Bevor Sie ein Ziel präzisieren, sammeln Sie eigene Anliegen. Nehmen Sie sich etwa zehn Minuten und verwenden Sie Papier oder eine private Notiz. Ziel ist, mit einem für Ihren Alltag bedeutsamen Anliegen weiterzuarbeiten. Sie müssen Ihre Notizen niemandem zeigen.
- Das erste Jahresziel: Welches Ziel möchten Sie in diesem Jahr noch erreichen? Schreiben Sie das erste auf, das Ihnen einfällt, ohne es sofort zu bewerten.
- Zeithorizonte öffnen: Sammeln Sie anschließend weitere Ziele für die nächsten Tage und Wochen, für das nächste Jahr und für die nächsten fünf Jahre. Ordnen Sie sie vorläufig als kurz-, mittel- oder langfristig ein. Es dürfen zunächst Wünsche, Fragen oder grobe Richtungen sein.
- Mit sechs Fragen ergänzen: Nutzen Sie die Fragen unten. Lassen Sie Antworten offen, wenn Sie noch keine passende Formulierung haben.
- Priorisieren: Markieren Sie, was jetzt gerade wichtig ist. Welches Ziel möchten Sie heute angehen? Was möchten Sie heute lieber für sich behalten? Wählen Sie für die weitere Übung genau ein Anliegen, das Sie bearbeiten wollen.
- Was will ich in meinem Leben?
- Was will ich können, besitzen oder behalten?
- Was will ich loswerden oder nicht mehr haben?
- Was will ich ändern?
- Wer möchte ich sein?
- Wie möchte ich sein?
Die beiden letzten Fragen können eine längerfristige Haltung ausdrücken. Sie müssen daraus nicht sofort ein messbares Ergebnis machen. Fragen Sie zunächst, welche Werte und Anliegen dahinterstehen. Für ein Gespräch wählen Sie nur Inhalte aus, die Sie freiwillig teilen möchten.
Was die Zielsetzungsforschung zeigt – und was nicht
Locke und Latham fassen in ihrem Forschungsüberblick von 2002 zusammen, dass spezifische, anspruchsvolle Ziele unter geeigneten Bedingungen die Leistung stärker fördern können als vage Aufforderungen wie „Gib dein Bestes“. Dazu gehören unter anderem Zielbindung, vorhandene Fähigkeiten, Rückmeldung und passende Ressourcen. Ein möglichst schwieriges Ziel ist deshalb nicht automatisch ein gutes Ziel.
Ein historisches Feldbeispiel von Latham und Baldes aus dem Jahr 1975 betraf die Beladung von Holztransportern. Nach der Vorgabe eines konkreten anspruchsvollen Ladeziels stieg die Auslastung. Untersucht wurde eine bestimmte Arbeitssituation; daraus folgt keine Erfolgsgarantie für persönliche Lebensziele.
Auch die Aussage, konkrete Ziele wirkten ausschließlich bei einfachen Aufgaben, greift zu kurz. Entscheidend ist unter anderem, ob eine passende Strategie bereits bekannt ist oder erst erlernt werden muss. Seijts und Kollegen fanden 2004 in einer komplexen Unternehmenssimulation bessere Leistungen mit einem spezifischen Lernziel als mit einem spezifischen Leistungsziel oder einem vagen Ziel. Das spricht für eine passende Art der Zielsetzung, nicht gegen jede Präzision bei komplexen Aufgaben.
Ergebnisziel, Lernziel oder übergeordnete Richtung?
Bei einer überschaubaren Aufgabe lässt sich häufig ein konkretes Verhalten planen: „Ich bearbeite in den nächsten zwei Wochen dienstags und donnerstags jeweils zwanzig Minuten meinen Sprachkurs und notiere danach, welche Aufgaben ich gelöst habe.“ Umfang und Zeit sollten zur Person passen. Die konkrete Formulierung allein sorgt noch nicht für die Durchführung.
„Ich möchte eine gute Führungskraft sein, die Mitarbeitende fördert“ lässt sich dagegen nicht auf eine einzige richtige Handlung reduzieren. Eine Person braucht klare Grenzen, eine andere mehr Freiraum. Eine starre Ergebniszahl kann wichtige Unterschiede verdecken. Klären Sie zunächst die übergeordnete Richtung: Was bedeutet gute Führung in dieser Situation? Welchen Werten soll das Verhalten entsprechen?
Danach kann ein Lernziel sinnvoll sein: „In den nächsten vier Wochen erprobe ich in drei vereinbarten Entwicklungsgesprächen unterschiedliche offene Fragen und hole Rückmeldung dazu ein, welche davon hilfreich waren.“ Das ist ein Beispiel zur Veranschaulichung, keine getestete Führungsempfehlung. Haltungs- oder Motto-Ziele können Orientierung geben; konkrete Lern- und Handlungsschritte ergänzen diese Richtung. Bei veränderten Bedingungen darf das Ziel angepasst werden.
Coaching-Übung: Ein Ziel mit SMART prüfen
Arbeiten Sie zu zweit: Eine Person übernimmt die Rolle des Coachs, die andere bringt ein freiwillig gewähltes Ziel ein. Planen Sie etwa zwanzig Minuten und eine kurze Auswertung ein. Prüfen Sie zuerst gemeinsam, ob sich aus dem Anliegen konkrete Strategien und Handlungsoptionen ableiten lassen. Bei unklaren oder komplexen Anliegen klären Sie zunächst Richtung und Lernbedarf, statt die Person vorschnell auf ein Ergebnis festzulegen.
Gehen Sie anschließend die fünf Bereiche durch. Die gecoachte Person formuliert selbst; der Coach fragt nach, fasst zusammen und überprüft sein Verständnis. Sie können die Reihenfolge anpassen und zu einem früheren Punkt zurückkehren.
S – Spezifisch
- Was möchten Sie genau erreichen?
- Warum ist das wichtig?
- Welche Gründe gibt es dafür?
- Was verändert sich, wenn Sie das Ziel erreicht haben?
- Wie werden Sie das Ziel erreichen? Welche Strategie wollen Sie erproben?
- Wer ist beteiligt? Wen brauchen Sie dazu?
Trennen Sie das gewünschte Ergebnis von einem ersten Weg dorthin. Wenn Sie den Weg noch nicht kennen, formulieren Sie einen Lern- oder Erkundungsschritt.
M – Messbar
- Wie stellen Sie fest, dass Sie das Ziel erreicht haben?
- Woran erkennen Sie frühzeitig, dass Ihr Ziel gefährdet ist?
Wählen Sie passende Nachweise: beispielsweise ein fertiggestelltes Dokument, eine beobachtbare Handlung oder vereinbarte Rückmeldungen. Prüfen Sie auch Qualität und unerwünschte Folgen, damit die Kennzahl nicht zum alleinigen Maßstab wird.
A – Attraktiv
- Beschreibt das Ziel einen erwünschten Zustand? Wie würde eine Formulierung klingen, als wäre er bereits erreicht?
- Möchten Sie dieses Ziel wirklich erreichen? Was spricht dafür, was dagegen?
- Welche Gefühle nehmen Sie wahr, wenn Sie an das Ziel denken?
Die Formulierung im Präsens ist ein optionales Mittel zur Veranschaulichung. Sie dürfen weiterhin „Ich möchte“ oder „Bis … werde ich“ sagen. Ein Ziel ist nicht allein deshalb attraktiv, weil es positiv klingt. Eigene Bedeutung, mögliche Nachteile und Zielkonflikte gehören zur Prüfung dazu.
R – Realistisch
- Was können Sie aus eigener Kraft erreichen, und wo sind Sie von anderen oder von äußeren Bedingungen abhängig?
- Was brauchen Sie noch, um das Ziel zu erreichen?
- Ist das Ziel herausfordernd und mit Ihren verfügbaren Mitteln realistisch?
Planen Sie Zeit, Fähigkeiten, Unterstützung und Erholung mit ein. Benennen Sie Abhängigkeiten, statt fremde Entscheidungen als eigene Leistungsvorgabe zu behandeln. Eine Zusage anderer sollten Sie erfragen.
T – Terminiert
- Was sind die nächsten Schritte?
- Wann soll das Ziel erreicht sein, und wann prüfen Sie den Zwischenstand?
Legen Sie einen Beginn und einen Überprüfungstermin fest. Bei Unsicherheit kann zunächst ein zeitlich begrenzter Versuch mit anschließender Auswertung sinnvoller sein als ein langfristiges Ergebnisversprechen.
Beispiel: Aus „mehr Ordnung“ wird ein überprüfbarer Versuch
Das folgende Beispiel ist fiktiv: „Bis zum letzten Freitag des nächsten Monats habe ich meine Projektunterlagen so geordnet, dass ich die fünf häufig benötigten Dokumente jeweils innerhalb von zwei Minuten finde. Dafür reserviere ich ab nächster Woche jeden Dienstag dreißig Minuten. Nach zwei Wochen prüfe ich mit einer Suchprobe, ob die Ordnerstruktur funktioniert.“
Als persönlicher Grund könnte ergänzt werden: „Mir ist wichtig, vor Terminen weniger Zeit mit Suchen zu verbringen.“ Die Zeitvorgaben sind Beispielwerte, keine allgemeine Norm. Vor dem Start ist zu prüfen, ob die reservierte Zeit reicht, gemeinsame Ablagen betroffen sind und andere Personen einbezogen werden müssen.
Attraktivität prüfen, ohne Schwierigkeiten schönzureden
Ein Vermeidungsziel benennt, was aufhören oder nicht eintreten soll. Ergänzen Sie, was stattdessen entstehen soll. Aus „Ich möchte abends nicht ständig meine Arbeitsmails prüfen“ könnte werden: „Nach Feierabend möchte ich ungestörte Zeit für mein Abendessen haben. An drei vereinbarten Abenden schließe ich das Mailprogramm bis zum nächsten Arbeitsbeginn.“ Ob das im jeweiligen Beruf möglich ist, muss vorher geklärt werden.
Es kann hilfreich sein, den gewünschten Zustand anschaulich zu beschreiben. Daraus folgt aber weder, dass negative Formulierungen grundsätzlich schaden, noch dass positive Gefühle zur Umsetzung ausreichen. Anstrengung und Hindernisse gehören in einen realistischen Plan. Auch ein wichtiges Ziel kann gleichzeitig Freude und Unsicherheit auslösen.
Eine freiwillige Zielbild-Übung
Sie können mit dieser Übung beginnen, wenn noch Worte für das Ziel fehlen, oder sie nach der SMART-Formulierung nutzen. Sie verbindet sprachliche Beschreibung mit Vorstellung und wahrgenommenen Gefühlen.
- Wählen Sie eine angenehme Position. Die Augen können offen bleiben; wenn Sie möchten, schließen Sie sie kurz oder lassen den Blick in die Ferne schweifen. Sie können jederzeit unterbrechen.
- Stellen Sie sich für einen Moment vor, Ihr ausgewähltes Ziel wäre erreicht. Welche konkrete Alltagssituation würde sich verändern?
- Achten Sie in Ihrer Vorstellung auf sich selbst, andere Menschen und die Umgebung. Was sehen, hören oder spüren Sie? Was fällt Ihnen besonders auf?
- Welche Gefühle oder körperlichen Reaktionen bemerken Sie? Beschreiben Sie diese, ohne daraus einen Beweis abzuleiten, dass das Ziel richtig oder erreichbar ist. Auch keine deutliche Reaktion ist eine mögliche Antwort.
- Kehren Sie zur Planung zurück. Welche Einzelheit möchten Sie in Ihre Zielformulierung aufnehmen? Welches Hindernis bleibt bestehen? Was ist Ihr nächster tatsächlicher Schritt?
Wenn Sie keine inneren Bilder erleben oder die Übung nicht mögen, beschreiben oder notieren Sie die Situation einfach in Worten. Eine Vorstellung ersetzt weder Handeln noch Rückmeldung aus der Wirklichkeit.
Abschluss: Zielkarte und Übertragung in den Alltag
Halten Sie die endgültige Formulierung schriftlich fest, beispielsweise auf einer Karte, die die gecoachte Person mitnimmt. Notieren Sie zusätzlich:
- Mein Ziel und warum es mir wichtig ist.
- Mein erster Schritt mit Zeitpunkt.
- Woran ich Fortschritt erkenne und welche Qualität mir wichtig ist.
- Ein wahrscheinliches Hindernis und eine mögliche Reaktion darauf.
- Benötigte Unterstützung sowie mein Überprüfungstermin.
Erklären Sie zum Abschluss transparent, wie Sie die SMART-Kriterien angewendet haben, falls dies nicht schon zu Beginn geschehen ist. Lassen Sie die gecoachte Person das Vorgehen in eigenen Worten zusammenfassen. So kann sie es selbst auf ein weiteres passendes Ziel übertragen.
Auswertung zu zweit: Ist das Ziel weiterhin das eigene Anliegen der gecoachten Person? Welche Frage hat Klarheit geschaffen? Wo war die Formulierung zu eng oder zu anspruchsvoll? Was bleibt offen? Wechseln Sie anschließend die Rollen, wenn beide ein eigenes Ziel bearbeiten möchten. Eine kürzere Anleitung zum nächsten Schritt finden Sie unter Ziele konkretisieren.
Häufige Fragen
Muss jedes Lebensziel SMART sein?
Nein. Werte, Identitätsfragen und langfristige Richtungen lassen sich nicht immer sinnvoll als messbares Ergebnis formulieren. Nutzen Sie SMART für passende konkrete Vorhaben oder für einen Lernschritt, der aus einer größeren Richtung entsteht.
Ist „attraktiv“ gleichbedeutend mit positiv formuliert?
Nein. Fragen Sie nach eigener Bedeutung, Bereitschaft und möglichen Nachteilen. Eine freundliche Formulierung kann ein fremdbestimmtes oder unrealistisches Ziel verdecken. Eine Formulierung als bereits erreichter Zustand ist optional.
Was ist, wenn ich den Termin nicht einhalte?
Prüfen Sie den Verlauf: War das Ziel passend, der Aufwand realistisch und die Unterstützung vorhanden? Was lag in Ihrem Einfluss? Entscheiden Sie begründet, ob Sie den Weg, den Termin oder das Ziel ändern. Ein verfehlter Termin erklärt noch nicht, warum es nicht geklappt hat.
Quellen und Einordnung
- Doran, G. T. (1981): There’s a S.M.A.R.T. way to write management’s goals and objectives. Management Review, 70(11), 35–36. Historischer Originalbeitrag zur Merkhilfe.
- Locke, E. A. & Latham, G. P. (2002): Building a practically useful theory of goal setting and task motivation. Forschungsüberblick, American Psychologist, 57, 705–717.
- Latham, G. P. & Baldes, J. J. (1975): The practical significance of Locke’s theory of goal setting. Journal of Applied Psychology, 60, 122–124.
- Seijts, G. H., Latham, G. P., Tasa, K. & Latham, B. W. (2004): Goal setting and goal orientation. Academy of Management Journal, 47, 227–239. Experiment mit einer komplexen Unternehmenssimulation.
Die Fragen, Zielkarte und Vorstellungsübung sind praktische Arbeitshilfen. Für genau diese Übungsfolge wird kein eigener Wirksamkeitsnachweis behauptet.
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