Einheit 1.3 Lösungsorientiertes Kurz-Coaching (Coaching-Tool)

Der Einstieg in das Coaching gibt dem Coachee einen Eindruck von Ihrer Arbeitsweise und klärt Ihre Rolle als Coach. Neben den Fragen die Sie stellen und den Informationen, die Sie dem Coachee geben, kommt es hier auch auf Meta-Mitteilungen an.

Fokus auf die Lösung

Ein Coaching-Gespräch unterscheidet sich von einem informellen Gespräch zwischen Bekannten auch durch den klaren Fokus auf die Lösung und die Ressourcen, die der Coachee in Bezug auf seine Fragestellung bereits zur Verfügung hat. In manchen Fällen ist es hilfreich und sinnvoll, die Lern-, Berufs- oder Lebensgeschichte des Coachee ausführlich und in Ruhe zu betrachten oder gemeinsam Ursachen für Probleme zu explorieren. Gerade zu Beginn eines Coachings besteht damit aber Gefahr, sich „in den Bahnen“ zu bewegen, die der Coachee ohnehin bereits ausführlich selbst bedacht hat, oder sich zu verzetteln und den Fokus zu verlieren.

Fallen Sie mir der Tür ins Haus und fangen Sie direkt an? Oder bieten Sie Ihrem Coachee eine Tasse Kaffee und beginnen mit Smalltalk? Das ist zum einen von Ihrem persönlichen Stil abhängig, zum anderen von den Bedürfnissen des Coachee. Sie können z.B. fragen: Möchten sie erst mal eine Tasse Kaffee und in Ruhe ankommen, oder möchten Sie direkt loslegen?

Der erste Eindruck zählt?

Der erste Eindruck, den Ihr Coachee von Ihnen als Coach bekommt, hat Einfluss auf die weitere Zusammenarbeit. Ein Coachee entscheidet dabei auf Basis von vier Kriterien, ob der Coach zu ihm passt und fühlt ihm dabei gleichzeitig auf den Zahn. Das Bild und die vier Kriterien stammen aus dem Buch Coaching: Miteinander Ziele erreichen von Maren Fischer-Epe und ist nach den Angaben dort von Schulz von Thun übernommen.

  • Kompetenz: Weiß der Coach, von was er spricht, scheint sein Vorgehen sinnvoll und zielführend? Welche Fragen stellt er? Geht er auch auf meine Fragen ein?
  • Standing: Wie reagiert der Coach auf kritische Rückfragen? Kann eher mit Kritik und Widerspruch umgehen?
  • Glaubwürdigkeit: Hält sich der Coach an Vereinbarung, z.B. zur Vertraulichkeit. Ist er loyal und von seinen eigenen Vorschlägen überzeugt?
  • Wertschätzung: Verhält sich der Coach wertschätzend, ist er zugewandt und interessiert sich für mein Anliegen, hört er zu und nimmt mich Ernst?

Zum ersten Eindruck gehören insbesondere auch sogenannte Meta-Mitteilungen, die indirekt Auskunft über Sie als Person und Ihre Arbeitsweise geben. Machen Sie sich klar, dass der Raum, in dem das Coaching stattfindet, Ihre Kleidung, das Aussehen Ihres Schreibtisches, die Bilder an den Wänden oder die Bücher im Regal, bewusst oder unbewusst vom Coachee wahrgenommen werden. Hier kommt es auch auf den Gesprächseinstieg an. Die ersten Minuten eines Coachings oder der (telefonischen) Erstkontakt gibt dem Coachee direkt oder indirekt Hinweise auf Ihre Arbeitsweise und Ihrem Selbstverständnis als Coach.

Überlegen Sie: Welche Hinweise auf Ihre Arbeitsweise und Rolle als Coach verbergen sich hinter den folgenden Gesprächseinstiegen.

  • Willkommen im Coaching: Was kann ich für Sie tun?
  • Schön, dass Sie da sind: Erzählen Sie mal!
  • Fangen wir an! Was möchten Sie verändern?
  • Ich möchte Sie als Person kennen lernen. Was ist gerade wichtig für Sie?

Coaching-Übung: Kurz-Coaching zum Einstieg

Dieser Leitfaden für den Erstkontakt mit einem Coachee hilft Ihnen, den Überblick zu behalten und strukturiert das Gespräch. Ein Lösungsorientierter Einstieg lenkt den Fokus auf das Ziel des Coachings.

Das lösungsorientierte Kurzcoaching eignet sich für ein Erstgespräch, das oft telefonisch stattfindet. Sie können die vorgeschlagene Struktur (leicht angepasst) auch am Ende eine Coachings verwenden, um die Themen für das nächste Treffen zu vereinbaren oder noch offene Fragen zu bündeln.

Üben Sie das lösungsorientierte Kurzcoaching zu zweit, einer ist Coach, der andere Coachee, dann tauschen Sie die Rollen. Sie können dazu eigene Themen verwenden, oder auf die Coaching-Fälle aus Ihrer Praxis zurückgreifen. Achten Sie auf die Zeit und begrenzen Sie ein Gespräch auf 10 Minuten. Nehmen Sie sich dann kurz Zeit für ein Feedback.

1. Geben Sie dem Gespräch zu Beginn einen “Rahmen”, in dem Sie kurz das Ziel aus Ihrer Sicht und den zeitlichen Umfang ansprechen. Steigen Sie dann ein, und fragen Sie nach dem Thema oder Anliegen, um das es geht.

Ziel des Gesprächs für mich ist, ihr Anliegen an mich zu verstehen. Mich interessiert, warum sie sich an mich gewendet haben, was sie von mir erwarten und was sie im Coaching erreichen möchten. Außerdem sollen sie die Gelegenheit haben, mich und meine Arbeitsweise kennen zu lernen, um zu entscheiden, ob ich als Coach zu ihnen passe. Ich schlage vor, wir nehmen uns für dieses erste kurze Gespräch 10 Minuten Zeit. Danach entscheiden wir, ob wir ein längeres Coaching anschließen und einen weiteren Termin vereinbaren. Fangen wir an: Warum möchten sie mit mir als Coach zusammenarbeiten? Beschreiben sie bitte kurz, um was es geht.

2. Bitten Sie den Coachee, sein Thema in einem Satz zusammenzufassen, wie eine Schlagzeile, ein Buchtitel, die Überschrift eines Films.

Fragen Sie Ihren Coachee: Was ist das Ziel, dass sie mit dem Coaching erreichen möchte? Welches Ergebnis steht am Ende der erfolgreichen Zusammenarbeit? Was genau hat sich dann geändert, was machen sie dann anders?

3. Im nächsten Schritt geht es um bisherigen Lösungsversuche. Fragen Sie: Was haben sie bis jetzt schon versucht? Was haben sie schon ausprobiert und unternommen? Welche Fähigkeiten konnten sie dafür einsetzten, vielleicht auch aus anderen Lebensbereichen? Mit dieser Frage können Sie die Ressourcen aktivieren, die Ihr Coachee im Bezug auf seine Fragestellung zur Verfügung hat.

Die Struktur des lösungsorientierten Einstiegs eignet sich auch für den ersten (meistens telefonischen) Kontakt mit einem Kunden. Mit dieser Struktur gelingt es Ihnen einen Überblick über das Anliegen des Coachee und seinen Auftrag an Sie zu erhalten. Außerdem wird in dem Gespräch schon Ihre Arbeitsweise deutlich.

Prof. Dr. Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk ist promovierter Diplom-Psychologe und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen und hat eine Professur für Psychology and Management an der International School of Management in Frankfurt und Stuttgart. Johannes Moskaliuk hat das Konzept des ich.raum Coaching entwickelt, dass Theorien und Methoden aus unterschiedlichen Coaching-Traditionen verbindet.

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