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Werte

Grundwerte nach Schwartz: 50 Aussagen zur Werteklärung

Die zehn Grundwerte nach Schwartz verstehen: 50 Aussagen, Auswertung, Werteprofil und Reflexionsfragen für Ihre persönliche Werteklärung.

Hände halten eine Landkarte mit einem Kompass; ein Finger zeigt auf die Karte.

Foto: Daniil Silantev / Unsplash

Was ist Ihnen wichtig, wenn Sie eine Entscheidung treffen: Freiheit, Sicherheit, Leistung oder das Wohlergehen anderer? Die zehn Grundwerte nach Shalom H. Schwartz bieten Begriffe, mit denen Sie solche Anliegen sortieren können. Die folgende Übung enthält 50 Aussagen, eine Auswertung und Fragen für das Coachinggespräch. Sie benötigen nur Papier und Stift.

Was sind Grundwerte?

Werte beschreiben, was Menschen für erstrebenswert halten. Sie geben Entscheidungen eine Richtung und dienen als Maßstab für Bewertungen. Ein Wert wie Selbstbestimmung ist dabei keine feste Eigenschaft: Sie können eigenständiges Entscheiden wichtig finden und in einer bestimmten Situation dennoch einer Vorgabe folgen. Auch Werte und Bedürfnisse sind nicht dasselbe.

Schwartz unterscheidet zehn breite Wertebereiche. Seine Theorie beschreibt außerdem, welche Motivationen sich ergänzen oder in Spannung geraten können. „Universell“ bedeutet hier einen kulturübergreifenden theoretischen Anspruch, nicht, dass alle Menschen dieselben Prioritäten haben. Der Forschungsüberblick von 2012 berichtet unterstützende Befunde aus 82 Ländern. Das ist keine Garantie, dass jede Fragebogenversion in jeder Gruppe gleich gut misst. Für wissenschaftliche Messungen gibt es eigene Instrumente wie den Schwartz Value Survey und den Portrait Values Questionnaire.

Eine verfeinerte Fassung von Schwartz und Kollegen aus dem Jahr 2012 unterscheidet 19 Werte. Die zehn Bereiche bleiben ein übersichtlicher Einstieg; die feinere Unterscheidung finden Sie im Beitrag zu Wertekonflikten.

Die zehn Wertebereiche im Überblick

  • Selbstbestimmung: Eigenständig denken, entscheiden und handeln.
  • Stimulation: Neues, Abwechslung und Herausforderungen suchen.
  • Genuss / Hedonismus: Freude und sinnlichen Genuss erleben.
  • Leistung: Eigene Fähigkeiten zeigen und dafür Anerkennung erhalten.
  • Macht: Einfluss, Status und Verfügung über Ressourcen anstreben.
  • Sicherheit: Schutz, Stabilität und verlässliche Beziehungen suchen.
  • Konformität: Das eigene Verhalten an sozialen Erwartungen und Regeln ausrichten.
  • Tradition: Überlieferte Bräuche und kulturelle oder religiöse Bindungen bewahren.
  • Benevolenz / Wohlwollen: Für das Wohlergehen nahestehender Menschen sorgen.
  • Universalismus: Verständnis, Gerechtigkeit und Schutz für alle Menschen und die Natur anstreben.

Die Begriffe sind keine moralische Rangliste. Macht ist beispielsweise nicht mit guter Führung gleichzusetzen; Wohlwollen gegenüber Vertrauten ist enger gefasst als Gerechtigkeit für alle. Bescheidenheit, Anerkennung oder Gemeinschaft können zu mehreren Anliegen passen. Klären Sie deshalb immer, was ein Wort für Sie konkret bedeutet.

So nutzen Sie die Reflexionshilfe

Diese 50 Aussagen sind eine praktische Gesprächshilfe, kein validierter Schwartz-Fragebogen und kein Persönlichkeitstest. Die Formulierungen orientieren sich an den Wertebereichen, erfassen diese aber nicht trennscharf. Die Punktzahlen erlauben weder Diagnosen noch Vergleiche zwischen Personen oder Aussagen über deren Eignung.

  1. Wählen Sie einen Bezug: Ihr Leben insgesamt oder eine konkrete aktuelle Entscheidung. Notieren Sie ihn und das Datum.
  2. Lesen Sie jede Aussage. Markieren Sie „trifft zu“, wenn sie für Sie im gewählten Bezug passt, ansonsten „trifft nicht zu“. Notieren Sie bei Unklarheit ein Fragezeichen und klären Sie die Bedeutung vor dem Zusammenzählen. Es gibt keine erwünschte Antwort.
  3. Zählen Sie je Bereich die markierten Aussagen: ein Punkt je „trifft zu“, sonst null. Jeder Bereich erhält zwischen 0 und 5 Punkten.
  4. Besprechen Sie die Aussagen und Beispiele hinter den Zahlen. Sie können die Liste auch zu Hause bearbeiten und zum nächsten Coachinggespräch mitbringen.

50 Aussagen für Ihre Werteklärung

Selbstbestimmung

  1. Ich möchte unabhängig denken und handeln.
  2. Ich möchte selbst entscheiden können.
  3. Ich möchte neue Ideen entwickeln und kreativ sein.
  4. Freiheit und Unabhängigkeit sind mir wichtig.
  5. Ich möchte Dinge auf meine eigene, originelle Art tun.

Stimulation

  1. Ich mag Überraschungen.
  2. Ich halte gern Ausschau nach neuen Aktivitäten.
  3. Abwechslung ist mir wichtig.
  4. Ich möchte Abenteuer erleben und nehme dafür überschaubare Risiken in Kauf.
  5. Ich wünsche mir ein aufregendes Leben.

Genuss / Hedonismus

  1. Ich gönne mir gern etwas.
  2. Ich nutze gern Gelegenheiten, Spaß zu haben.
  3. Es ist mir wichtig, Dinge zu tun, die mir Freude machen.
  4. Genuss nimmt einen wichtigen Platz in meinem Leben ein.
  5. Ich möchte mit allen Sinnen genießen.

Leistung

  1. Ich möchte meine Fähigkeiten zeigen.
  2. Ich möchte für meine Leistungen bewundert werden.
  3. Erfolgreich zu sein ist mir wichtig.
  4. Ich möchte, dass andere meine Leistungen anerkennen.
  5. Mir ist wichtig, dass andere meine Kompetenz schätzen.

Macht

  1. Ich möchte bei gemeinsamen Vorhaben die Richtung bestimmen.
  2. Ich wäre gern reich.
  3. Ich möchte aufgrund meiner Stellung respektiert werden.
  4. Ich möchte in Gruppen maßgeblichen Einfluss haben.
  5. Es ist mir wichtig, dass andere auf mich hören.

Sicherheit

  1. Ich möchte in einem sicheren Umfeld leben.
  2. Ich möchte Gefahren für meine Sicherheit möglichst vermeiden.
  3. Es tut mir gut, wenn andere zu meiner Sicherheit beitragen.
  4. Eine stabile Gesellschaft ist mir wichtig.
  5. Geborgenheit und Sicherheit gehören für mich zusammen.

Konformität

  1. Ich orientiere mich gern an klaren, begründeten Vorgaben.
  2. Es ist mir wichtig, mich korrekt zu verhalten.
  3. Ich halte mich an vereinbarte Regeln.
  4. Ich vermeide nach Möglichkeit Dinge, die andere missbilligen.
  5. Mir ist wichtig, dass gemeinsame soziale Regeln eingehalten werden.

Tradition

  1. Traditionen sind mir wichtig.
  2. Ich halte mich gern an Sitten und Gebräuche.
  3. Bescheidenheit und Zurückhaltung sind mir wichtig.
  4. Ich möchte mich nicht ständig in den Mittelpunkt stellen.
  5. Mir ist wichtig, dass überlieferte gemeinsame Bräuche Menschen verbinden.

Benevolenz / Wohlwollen

  1. Mir ist wichtig, mich um die Menschen in meinem Umfeld zu kümmern.
  2. Ich möchte meinen Freundinnen und Freunden gegenüber loyal sein.
  3. Ich setze mich für Menschen ein, die mir nahestehen.
  4. Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit sind mir wichtig.
  5. Ich übernehme gern Verantwortung für andere.

Universalismus

  1. Mir ist wichtig, dass alle Menschen gleichberechtigt behandelt werden.
  2. Jeder Mensch sollte die gleichen Chancen haben.
  3. Umweltschutz ist mir wichtig.
  4. Ich höre gern Menschen zu, deren Erfahrungen sich von meinen unterscheiden.
  5. Ich möchte andere Meinungen verstehen und respektvoll mit ihnen umgehen.

Eine Zustimmung beschreibt ein Anliegen, keine Handlungsanweisung. Beispielsweise rechtfertigen Regeln keinen blinden Gehorsam, Einfluss keine Bevormundung und Respekt vor Menschen keine Zustimmung zu jeder ihrer Aussagen. Falls eine Formulierung für Sie nicht passt, halten Sie Ihre eigene Bedeutung daneben fest.

Auswertung: Ihr vorläufiges Werteprofil

Übertragen Sie die zehn Summen in diese Vorlage. Ergänzen Sie pro Bereich möglichst eine konkrete Situation; dadurch wird sichtbar, was die Zahl für Sie bedeutet.

Wertebereich Zustimmungen (0–5) Beispiel aus meinem Alltag
Selbstbestimmung ___ ___
Stimulation ___ ___
Genuss / Hedonismus ___ ___
Leistung ___ ___
Macht ___ ___
Sicherheit ___ ___
Konformität ___ ___
Tradition ___ ___
Benevolenz / Wohlwollen ___ ___
Universalismus ___ ___

Optional zeichnen Sie ein Netzdiagramm: Zeichnen Sie zehn gleichmäßig verteilte Strahlen von einem Mittelpunkt aus und beschriften Sie diese in der Reihenfolge der Tabelle. Markieren Sie auf jedem Strahl fünf gleich große Abstände. Der Mittelpunkt entspricht 0, der äußerste Punkt 5. Tragen Sie jede Summe auf dem passenden Strahl ein und verbinden Sie die Punkte der Reihe nach; schließen Sie die Linie vom letzten zum ersten Bereich.

Das Diagramm veranschaulicht ausschließlich Ihre Antworten auf diese Liste. Eine größere Fläche ist nicht besser; ein kleiner Ausschlag ist kein Defizit. Auch die Nachbarschaft der Strahlen in dieser Darstellung ist keine wissenschaftliche Aussage über Wertenähe. Viele Zustimmungen können an ähnlichen Formulierungen oder an Ihrer allgemeinen Zustimmungstendenz liegen. Die Summen sind deshalb keine belastbare Rangfolge Ihrer Werte. Dafür braucht es die anschließende Bedeutungs- und Entscheidungsklärung.

Fragen für das Coachinggespräch

  • Welcher Bereich hat die höchste Punktzahl, welcher die niedrigste? Welche einzelnen Antworten erklären das?
  • Passt das Ergebnis zu Ihrer Erwartung? Wo sind Sie überrascht?
  • Welche Werte fehlen Ihnen in der Liste? Ergänzen Sie eigene Begriffe, etwa mithilfe der Werteliste.
  • Bei welcher konkreten Entscheidung war eines dieser Anliegen zuletzt wichtig?
  • Was finden Sie wichtig, können es im Alltag aber gerade wenig verwirklichen? Was begrenzt Sie dabei?
  • Welche zwei Anliegen geraten aktuell in Spannung? Welcher kleine Schritt könnte beiden Raum geben?

Wenn viele Aussagen passen, hilft eine Wertehierarchie, Prioritäten für eine bestimmte Entscheidung zu klären. Eine niedrige Summe bedeutet nicht automatisch, dass der Bereich unwichtig ist: Vielleicht passen nur die gewählten Formulierungen nicht.

Beispiel: Selbstbestimmung und Sicherheit verbinden

Ein fiktiver Coachee markiert bei Selbstbestimmung vier und bei Sicherheit ebenfalls vier Aussagen. Er überlegt, eine neue berufliche Aufgabe zu übernehmen. Die Zahlen entscheiden diese Frage nicht. Im Gespräch wird deutlich: Er möchte seine Arbeitsweise selbst gestalten und zugleich verlässlich planen können. Sein nächster Schritt ist, vor einer Zusage den Entscheidungsspielraum, die Einarbeitung und einen festen Überprüfungstermin zu klären. So entsteht aus zwei abstrakten Werten eine überprüfbare Handlung.

Notieren Sie für Ihren eigenen Transfer: „Mir ist ___ wichtig. In der Situation ___ möchte ich deshalb bis ___ die Handlung ___ ausprobieren. Am ___ prüfe ich, was dadurch möglich wurde und was noch fehlt.“

Häufige Fragen

Sind zehn oder 19 Grundwerte richtig?

Es sind unterschiedliche Differenzierungsstufen der Theorie. Die zehn Bereiche geben einen breiten Überblick; die verfeinerte Theorie unterscheidet 19 motivational enger gefasste Werte.

Ist das ein wissenschaftlicher Wertetest?

Nein. Die Liste dient der Reflexion. Ihre einfache Zählweise hat keine Normwerte und erlaubt keine psychologische Diagnostik. Forschungsergebnisse zur Theorie validieren diese Gesprächshilfe nicht.

Was bedeuten fünf Punkte?

Sie haben allen fünf Aussagen dieses Bereichs zugestimmt. Daraus folgt weder, dass dieser Wert Ihr wichtigster ist, noch, dass Sie ihn bereits im Alltag verwirklichen.

Kann ich die Übung allein durchführen?

Ja. Bearbeiten Sie die Aussagen, ergänzen Sie Beispiele und wählen Sie einen nächsten Schritt. Im Coaching kann eine zweite Person durch Nachfragen helfen, unterschiedliche Bedeutungen und Widersprüche genauer zu verstehen.

Quellen

Weiterdenken.