Cocktailparty-Phänomen: So funktioniert Aufmerksamkeit

Stellen Sie sich vor: Auf einer Party mit einem hohen Lautstärke-Pegel (z. B. Musik, Gespräche, Gläserklirren) fällt auf einmal Ihr Name. Auch wenn Sie gerade auf ein anderes Gespräch konzentriert waren, nehmen Sie dennoch wahr, dass gerade über Sie gesprochen wurden, und fokussieren Ihre Aufmerksamkeit auf die räumlich entfernte Gruppe, in der es scheinbar um Sie geht. Das ist eine bemerkenswerte Fähigkeit des menschlichen Gehirns. Wir können offensichtlich „ausblenden“, was nicht relevant ist – und sind gleichzeitig wieder fokussiert, wenn es uns betrifft. Diese Fähigkeit der menschlichen Aufmerksamkeit wird auch „Cocktailparty-Phänomen“ genannt.

Was ist wichtig für mich?

Menschen wählen immer zwischen wichtigen und unwichtigen Reizen aus und steuern ihre Aufmerksamkeit entsprechend. Vereinfacht formuliert geht es darum die Aufmerksamkeit nur auf die Reize zu lenken, die neu und unbekannt sind (und damit potenziell gefährlich sein können), und dafür redundante, bekannte Reizen eher zu ignorieren. Das Ziel ist, die verfügbaren mentalen Ressourcen sinnvoll einzusetzen.

Selektive Wahrnehmung

Was das bedeutet lässt sich gut am Beispiel von Werbung erklären. Die Flut an Werbeinformationen können Konsumenten nicht verarbeiten. Aufmerksamkeit ist immer selektiv. Menschen wählen aus, welchen Reizen relevant sind. Nur auf diese Reize wird die Aufmerksamkeit gerichtet. Die mit der Aufmerksamkeit verbundene Aktivierung ist die Voraussetzung dafür, dass wahrgenommene Reize auch verarbeitet werden. Damit steigt gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass die verarbeiteten Reize später auch wieder erinnert werden.

Unterscheiden lassen sich unterschiedliche Aspekte der Aufmerksamkeit (Coull, 1998):

  • Die orientierende Aufmerksamkeit beschreibt eine gezielte Steuerung der Aufmerksamkeit, z. B. bei der Suche nach einem Produkt im Supermarkt-Regal oder nach einem Verkäufer, der für eine Beratung zur Verfügung steht.
  • Die selektive oder fokussierte Aufmerksamkeit bezieht sich auf das Phänomen, das oben schon beschrieben wurde. Sie achten auf bestimmte Reize innerhalb einer Situation und ignorieren andere.
  • Die geteilte Aufmerksamkeit meint mehrere Reize gleichzeitig zu verarbeiten. Das ist z. B. der Fall, wenn Sie, während Sie diesen Studienbrief bearbeiten, immer wieder auf Ihrem Smartphone aktuelle Nachrichten in Ihrem Messenger lesen und beantworten.
  • Die dauerhafte Aufmerksamkeit bezeichnet eine längere Fokussierung der Aufmerksamkeit auf einen oder mehrere Reize, z. B. das konzentrierte Lesen einer Produktbeschreibung oder das Ausprobieren eines technischen Gerätes.

Prof. Dr. Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk ist promovierter Diplom-Psychologe und Geschäftsführer der ich.raum GmbH. Er arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen und hat eine Professur für Psychology and Management an der International School of Management in Frankfurt und Stuttgart. Johannes Moskaliuk hat das Konzept des ich.raum Coaching entwickelt, dass Theorien und Methoden aus unterschiedlichen Coaching-Traditionen verbindet.