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Inneres Team: 21 Kartenimpulse für das Coaching

21 Kartenimpulse für das innere Team: eigene Perspektiven benennen, Karten gestalten und im Coaching einsetzen – mit Anleitung und Beispiel.

Unbeschriftete gelbe Haftnotizen in Reihen auf einem dunklen Holztisch.

Foto: Kelly Sikkema / Unsplash. Unsplash License.

Manchmal ist die eigene Reaktion auf eine Frage widersprüchlich: Ein Gedanke drängt zum Aufbruch, ein anderer möchte alles beim Alten lassen. Karten können helfen, diese Perspektiven sichtbar nebeneinanderzulegen. Hier finden Sie 21 Anregungen mit jeweils zwei typischen Sätzen sowie eine Anleitung, wie Sie daraus eigene Karten für das Coaching oder die persönliche Reflexion machen.

Wozu Karten für das innere Team dienen

Das Modell des inneren Teams geht auf Friedemann Schulz von Thun zurück. Es beschreibt unterschiedliche innere Sichtweisen mithilfe einer Teammetapher. Eine Karte steht hier für einen Gedanken, einen Wunsch oder eine Befürchtung zu einer konkreten Situation. Sie bezeichnet keinen festen Persönlichkeitstyp. Je nach Thema können andere Perspektiven wichtig werden.

Die Kartenvorschläge sind eine praktische Arbeitshilfe, kein Test und kein vollständiger Katalog menschlicher Eigenschaften. Sie liefern auch keine Diagnose oder Erklärung von Gehirnprozessen. Die Person, die ihr Anliegen bearbeitet, wählt Namen und Bedeutungen selbst. Eine Einführung bietet der Artikel Inneres Team: Perspektiven verstehen und benennen.

21 Kartenimpulse zum Auswählen und Verändern

Lesen Sie die Vorschläge zunächst als mögliche Sätze zu Ihrer aktuellen Frage. Manche klingen unterstützend, andere drängend oder unangenehm. Sie müssen ihnen nicht zustimmen. Wählen Sie für den Einstieg höchstens fünf Perspektiven und formulieren Sie deren Sätze so um, dass sie Ihre tatsächlichen Gedanken treffen. Die beiden vorsichtigen Perspektiven unterscheiden zwischen konkreter Risikoprüfung und dem Wunsch, Vertrautes zu bewahren.

Perspektive Erster Impuls Zweiter Impuls
1. Ausgleich Erst einmal tief durchatmen. Ich möchte meine innere Ruhe wiederfinden.
2. Antreiber Nun mach schon! Für mich fühlt es sich an, als gäbe es kein Zurück.
3. Moderation Was sagen die anderen dazu? Jede Perspektive soll zu Wort kommen.
4. Abenteuerlust Was kostet die Welt? Auf zu neuen Ufern!
5. Vorsicht: Risiken prüfen Haben wir an alles gedacht? Pass gut auf.
6. Kühler Kopf Betrachten wir das nüchtern. Ruhe bewahren!
7. Zutrauen Ich kann das. Diese Aufgabe könnte zu mir passen.
8. Kreativität Wir könnten es auch anders machen. Ich habe eine Idee!
9. Vision Wie könnte die Welt von morgen aussehen? Lasst uns etwas in Bewegung bringen.
10. Selbstzweifel Das ist vielleicht eine Nummer zu groß. Ob ich das schaffe?
11. Ruhebedürfnis In der Ruhe liegt die Kraft. Bitte keinen zusätzlichen Stress.
12. Kritik So geht das für mich nicht. Ist wirklich alles bedacht?
13. Humor Hauptsache, wir können auch lachen. Ich möchte die Stimmung auflockern.
14. Teamgedanke Zusammen sind wir stark. Ich stehe hinter dir.
15. Vorsicht: Vertrautes bewahren Das könnte schiefgehen. Lassen wir lieber alles beim Alten.
16. Angriffslust Ich möchte jetzt scharf zurückschlagen. Ich will mich unbedingt durchsetzen.
17. Brückenbauen Gibt es einen Kompromiss? Sind alle mit dem Vorgehen einverstanden?
18. Selbstmitleid Es fühlt sich an, als seien alle gegen mich. Mir ist zum Heulen.
19. Organisation Gibt es einen Plan? Ich möchte den Überblick behalten.
20. Feierfreude Es darf auch Spaß machen. Das sollten wir feiern!
21. Erfahrungswissen Früher haben wir das anders gemacht. Hört euch meinen Rat an.

Ersetzen Sie jeden Namen, der für Sie nicht passt. Humorvolle Bezeichnungen dürfen aus Ihrer eigenen Sprache stammen; ein Coach sollte Ihnen keine abwertenden Namen zuschreiben. Eine Karte mit einem aggressiven Gedanken ist keine Aufforderung, ihn umzusetzen. Sie macht einen Gedanken besprechbar.

Eigene Karten gestalten

Sie benötigen Papier und einen Stift oder ein Dokument mit frei verschiebbaren Textfeldern. Übertragen Sie jede gewählte Perspektive auf eine eigene Karte. Schreiben Sie oben den Namen und darunter ein bis zwei typische Sätze. Eine einfache Zeichnung oder ein Symbol kann ergänzen, was Sie mit der Perspektive verbinden. Künstlerische Fähigkeiten sind dafür nicht nötig.

Lassen Sie einige Karten unbeschriftet. Nutzen Sie bei Bedarf die Rückseite für eine eigene Figur: Welche Haltung nimmt sie ein, wie würde sie sprechen, welchen Namen möchten Sie ihr geben? Auch eine wahrgenommene körperliche Empfindung kann notiert werden, ohne ihr eine feste Bedeutung zuzuschreiben. Aus einem Bild lässt sich nicht ablesen, was jemand „wirklich“ denkt.

Kartenvorlage zum Kopieren:
Name oder Symbol: …
Mein typischer Satz zu dieser Situation: …
Ein weiterer Gedanke: …
Mir ist wichtig: …
Ich befürchte oder wünsche mir: …
Das ist noch unklar: …

Ergänzen Sie eine separate Karte „Teamleitung“. Diese steht für Ihren Überblick über die verschiedenen Beiträge. Auch wenn eine Ihrer Karten „Moderation“ heißt, bleibt die Entscheidung über den gesamten Prozess bei Ihnen.

So arbeiten Sie mit den Karten

  1. Eine konkrete Frage festlegen. Notieren Sie oben auf dem Blatt beispielsweise: „Wie stehe ich dazu, die Arbeitsgruppe zu leiten?“ Im Coaching klären Sie gemeinsam, was die Sitzung leisten soll. Nutzen Sie dafür bei Bedarf den Leitfaden Auftrag klären.
  2. Bis zu fünf Karten wählen. Wählen Sie passende Impulse oder schreiben Sie sofort eigene Karten. Es geht nicht darum, möglichst viele Rollen zu finden. Legen Sie die Karten so aus, dass Sie alle lesen können.
  3. Jede Perspektive einzeln anhören. Formulieren Sie aus ihrer Sicht: „Mir ist wichtig …“, „Ich wünsche mir …“ und „Ich befürchte …“. Fragen Sie auch, was die Perspektive erreichen oder verhindern möchte. Der Coach fragt nach, ohne Deutungen vorzugeben.
  4. Nach jedem Beitrag zur Teamleitung zurückkehren. Schauen Sie auf die Karte und fassen Sie zusammen, was Sie verstanden haben. Zuhören verpflichtet Sie nicht zum Handeln. Ein mögliches hilfreiches Anliegen bleibt eine Vermutung, die Sie verwerfen dürfen.
  5. Das Gesamtbild betrachten. Welche Perspektive dominiert? Welche ist leise oder fehlt? Welche mögen Sie nicht oder überhören Sie? Welche neue Idee ist entstanden? Ergänzen oder verändern Sie Karten, wenn es Ihre Sicht genauer wiedergibt.
  6. Einen Abschluss wählen. Halten Sie fest, was klarer geworden ist und was offenbleibt. Sie können zunächst im Alltag beobachten, wann eine Perspektive auftaucht. Oder Sie vereinbaren eine konkrete Rückfrage bzw. einen kleinen Handlungsversuch und einen Termin für den Rückblick. Eine sofortige Lösung ist nicht erforderlich.

In einem digitalen Dokument können Sie Karten nebeneinander verschieben und die Zusammenfassung der Teamleitung darunter notieren. Im Raum können Stühle oder Bodenmarkierungen die Perspektiven ergänzen. Nutzen Sie nur die Darstellung, mit der Sie sich wohlfühlen. Wenn das Rollenbild unangenehm wird, beenden Sie es und sprechen ohne Rollen über die konkrete Situation weiter. Die ausführliche Anleitung zur inneren Teamkonferenz beschreibt die Begleitung zu zweit.

Beispiel: Eine Arbeitsgruppe übernehmen

In diesem fiktiven Beispiel wählt eine Person „Zutrauen“, „Selbstzweifel“ und „Organisation“. Das Zutrauen sagt: „Ich kenne das Thema gut.“ Der Selbstzweifel fragt: „Kann ich die unterschiedlichen Interessen zusammenbringen?“ Die Organisation ergänzt: „Wie viel Zeit habe ich dafür?“

Beim Betrachten des Bildes fehlt der Person der Austausch mit anderen. Sie ergänzt eine leere Karte „Unterstützung“ mit dem Satz: „Ich möchte die Leitung nicht allein übernehmen.“ Die Teamleitung hält fest: Fachwissen ist vorhanden; Zeit und Unterstützung müssen geklärt werden. Als nächsten Schritt fragt die Person nach einer gemeinsamen Leitung und dem erwarteten Zeitumfang. Erst danach entscheidet sie über die Zusage.

Häufige Fragen

Muss ich alle 21 Karten verwenden?

Nein. Beginnen Sie mit wenigen passenden Karten. Die Auswahl beschreibt Ihre Sicht auf eine bestimmte Situation und darf beim nächsten Thema anders aussehen.

Kann ich Namen und Sätze ändern?

Ja. Eigene Formulierungen sind ausdrücklich vorgesehen. Sie können die Impulse direkt von dieser Seite in Ihre Notizen übertragen, auf Karten schreiben oder die Seite ausdrucken. Für die Übung ist kein Kauf oder Download nötig.

Was ist bei einer unangenehmen Karte wichtig?

Sie müssen sie weder mögen noch ausspielen. Beschreiben Sie zunächst den Gedanken und entscheiden Sie selbst, ob Sie ihn genauer untersuchen möchten. Ein vermutetes Schutzanliegen rechtfertigt keine verletzende Handlung.

Sind die Karten wissenschaftlich geprüfte Persönlichkeitstypen?

Nein. Es sind Anregungen für ein Reflexionsgespräch. Die Modellbeschreibung ist kein Wirksamkeitsnachweis für dieses konkrete Kartenset. Der Coach begleitet die Selbstklärung und legt keine verborgenen Anteile fest.

Quelle und Einordnung

Schulz von Thun, F. (1998). Miteinander reden 3: Das „Innere Team“ und situationsgerechte Kommunikation. Rowohlt. Eine aktuelle Darstellung des Modells bietet das Schulz von Thun Institut. Die Kartenimpulse und die Vorlage dienen der praktischen Anwendung; sie sind kein standardisiertes Messinstrument.

Weiterdenken.